Frieda Gwiggner verstorben: Dreizehnlinden blieb zweite Heimat

  • Artikel
  • Diskussion
Frieda Gwiggner (rechts) als kleines Mädchen mit Geschwistern und Eltern Frieda und Andrä Thaler.
© Thaler

Wildschönau, Dreizehnlinden – Sie war noch ein Kind, als sie 1934 zu einem Abenteuer aufbrach, das in die Geschichtsbücher eingegangen ist: Die kleine Frieda folgte ihrem Vater Andrä Thaler nach Brasilien, in das von ihm gegründete Dorf Dreizehnlinden (Treze Tílias).

Der Wildschönauer, damals Landwirtschaftsminister, hatte Südamerika als neue Heimat auserkoren. Die Gründe sind bekannt, Arbeitslosigkeit, Hunger und die Kriegsgefahr, die er wohl ahnte. „Wobei es unserer Familie noch einigermaßen gut ging, also der wirtschaftliche Druck nicht so groß gewesen wäre“, erzählt Gisela Haubenwaller, Tochter von Frieda Gwiggner, geb. Thaler. Ihre Mutter war eines von 14 Kindern des Gründervaters und dessen Frau Frieda. Der Auswanderer kam 1939 bei einem Hochwasser ums Leben. Seine Witwe musste mit der großen Kinderschar ein bescheidenes Leben führen, das wiederum Tochter Frieda nachhaltig prägte.

Sie ging in Dreizehnlinden zur Schule und blieb bis 1952 in ihrer neuen Heimat. Dann kehrte sie in die Wildschönau zurück, ihr Auftrag damals war, den Grundbesitz der Familie zu verkaufen. Doch wie so oft im Leben kam es anders. Sie lernte ihren späteren Ehemann Friedl Gwiggner kennen und blieb im Hochtal.

Die Verbindung zu Dreizehnlinden und den Verwandten riss aber nie ab. Gegenseitige Besuche standen regelmäßig auf dem Programm und die Freude am Wachsen der Lebensidee des Vaters, das sie beobachten konnte: Heute ist nämlich Dreizehnlinden eine prosperierende Ortschaft.

Ihren Kindern erzählte Frieda von einer kargen, aber spannenden Kindheit und fürsorglichen Eltern. Unvergessen bleibt in der Familie die Anekdote über ihre Ankunft in der alten Heimat als junge Frau. Sie zeigt auch, wie verbunden die Auswanderer ihrer alten Heimat blieben: Als Frieda zum ersten Mal nach Tirol zurückkehrte und am Bahnhof Wörgl ausstieg, sprach sie zwar wie eine waschechte Wildschönauerin, hatte aber keine Ahnung, wo es ins Hochtal ging. Kurzerhand fragte sie zufällig vor dem Gebäude stehende Jäger, die in Gelächter ausbrachen und meinten: „Noch dümmer geht’s wohl nimmer, eine Wildschönauerin fragt, wo es in die Wildschönau geht.“ Die Männer ahnten nicht, dass die junge Frau gerade aus Südamerika angekommen war. Frieda Gwiggner, Mutter von neun Kindern, starb am 23. Mai im 94. Lebensjahr. Und damit auch das letzte Kind des Gründerehepaars.


Kommentieren


Schlagworte