Alles spricht für Kickl, Abwerzger drängt auf Designierung am Montag

Herbert Kickl will schnellstmöglich auf den FPÖ-Chefsessel klettern. Einen aussichtsreichen Gegenkandidaten gibt es nach wie vor nicht. Die oberösterreichische Landespartei spielt auf Zeit, während Tirols FPÖ-Chef auf eine rasche Designierung des Klubobmanns drängt.

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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Mit der Harmonie ist es zwischen FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl (r.) und Oberösterreichs LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner vorbei.
© FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM

Wien – FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl will den blauen Chefsessel rasch übernehmen. Drei Tage nach dem Rücktritt von Parteichef Norbert Hofer ist auch kein aussichtsreicher Gegenkandidat in Sicht. Am Montag wird das Bundesparteipräsidium dazu eine Sitzung abhalten. Die oberösterreichische FPÖ, die gegen Kickl ist, spielt aber noch auf Zeit. Der oberösterreichische Nationalratsabgeordnete Gerhard Deimek spricht sich in den Oberösterreichischen Nachrichten gegen einen „Hüftschuss“ aus.

Ich denke, für eine Entscheidung dieser Tragweite sollte man sich entsprechend Zeit nehmen.
Manfred Haimbuchner, FP-Landesparteichef OÖ

Es brauche einen Obmann, der alle parteiinternen Gruppen eine und dann für viele Jahre Chef bleibe. Die Suche danach könnte nach Ansicht Deimeks auch bedeuten, dass der Parteitag eventuell erst im Herbst stattfindet und damit nach der Landtagswahl in Oberösterreich. „Ich denke, für eine Entscheidung dieser Tragweite sollte man sich entsprechend Zeit nehmen“, wird auch FP-Landesparteichef Manfred Haimbuchner in den OÖNachrichten zitiert.

Abwerzger drängt auf Designierung Kickls am Montag

Auf eine rasche Entscheidung drängten am Freitag hingegen die Landesparteien aus Tirol, Salzburg, Kärnten und dem Burgenland. Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger plädierte für eine Designierung Kickls als künftiger Parteichef schon bei der Präsidiumssitzung am Montag. „Wir sollten keine Zeit verlieren. Acht von neun Landesparteien haben sich für Herbert Kickl ausgesprochen“, sagte Abwerzger der APA und richtete den oberösterreichischen Parteifreunden aus: „Es gibt neun Landesparteien – und nicht nur eine“.

„Keine Zeit verlieren“: Abwerzger will aufs Tempo drücken
© Thomas Boehm / TT

Es gelte nun so schnell wie möglich eine handlungsfähige Bundespartei sicherzustellen. Die Kür Kickls auf einem Bundesparteitag sollte dann „innerhalb kürzester Zeit“ erfolgen – also noch im Juni oder Anfang Juli. Es würde ihn übrigens „sehr freuen“, wenn Innsbruck als Ort für den Bundesparteitag ausgewählt werde – dort hatte sich 1986 Jörg Haider an die Spitze der Partei „geputscht“.

Auch der burgenländische Landesparteiobmann Alexander Petschnig sprach sich für eine „möglichst rasche“ Entscheidung für einen neuen Parteichef aus. Er werde sich auch für einen baldigen Bundesparteitag starkmachen, Verzögerungen halte er „nicht für klug. Mir ist nicht bewusst, was das bringen soll aus Sicht der Bundespartei und um die geht es schließlich“, betonte Petschnig auf APA-Anfrage. Ähnlich die Salzburgerin Marlene Svazek: „Die Partei ist zwar voll handlungsfähig, braucht aber wieder einen gewählten Obmann und das so bald wie möglich.“ Und auch der geschäftsführende Kärtner Obmann Erwin Angerer plädierte für eine rasche Entscheidung: „Man sollte alle möglichen Varianten überlegen, aber eine Entscheidung nicht zu lange hinausschieben“, verwies Angerer auch darauf, dass man für etwaige Nationalratswahlen gewappnet sein müsse. Bis Herbst zu warten, würde Angerers Gefühl nach zu lange dauern. In der Kärntner Landespartei sei es zwar „kein Geheimnis“, dass es auch kritische Stimmen gegen Kickl gibt: „Aber ich spüre schon, dass in Kärnten eine Mehrheit für Herbert Kickl gegeben ist.“

Alle Zeichen stehen auf Kickl

Aktuell führt statutengemäß der Wiener Nationalratsabgeordnete Harald Stefan die Partei, weil er der älteste Obmann-Stellvertreter ist. Am Montag wird im Parteipräsidium beraten, ob Kickl schon als Nachfolger designiert wird oder es noch andere Kandidaten gibt. Dass die Zeichen auf Kickl stehen, bestätigte Stefan in dem Artikel: „Bis jetzt hat sich sonst noch keiner bei mir gemeldet.“

Absagen gab es einige: Haimbuchner bekräftigte, angesichts der Landtagswahl am 26. September nicht zur Verfügung zu stehen. Auch seine Kollegen aus Wien und der Steiermark, Dominik Nepp und Mario Kunasek, die als Kandidaten gehandelt worden waren, haben abgesagt.

Landbauer hat „keine Ambitionen“

Auch Niederösterreichs FP-Chef Udo Landbauer nahm sich am Freitag aus dem Spiel. „Ich selbst habe keine Ambitionen“, betonte er auf APA-Anfrage. „Mein Fokus liegt alleine auf der Obmannschaft in Niederösterreich, wo es ein klares Ziel gibt, nämlich die Absolute der ÖVP zu brechen.“ Von einem Hinauszögern der Chef-Frage im Bund hält Landbauer indes nichts, er forderte vielmehr eine möglichst rasche Klärung ohne monatelange Personaldebatten: „Das sind wir auch unseren Wählern und Funktionären schuldig.“

Landbauer waren zuletzt Ambitionen auf die Spitzenposition nachgesagt worden. Nun winkte er ab.
© APA

Landbauer waren zuletzt Ambitionen auf die Spitzenposition der Freiheitlichen im Bund nachgesagt worden. Der gestern nicht erreichbare Generalsekretär Michael Schnedlitz ist für manche noch eine Variante. Wen die niederösterreichische Landesgruppe unterstützt, blieb vorerst weiter offen. Kickl gilt jedenfalls als wohlgelitten – der Purkersdorfer trat bei der jüngsten Nationalratswahl auch als niederösterreichischer Spitzenkandidat an.

Neben Tirol hatten auch Salzburg, Kärnten und das Burgenland offen Unterstützung für Kickl signalisiert. Haimbuchner hingegen, der sich immer hinter Hofer gestellt hatte, sagte am Mittwoch, dass er für Kickl „nach derzeitiger Sicht eine offensive Unterstützung nicht kundtun“ würde: „Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, aber wenn es dann so ist, wie es ist, wird man es akzeptieren.“ Seine Unterstützung hänge nicht in erster Linie an Personen, sondern an inhaltlichen Anforderungen, so Haimbuchner in den OÖNachrichten. „Einem Bundesparteiobmann der FPÖ muss es gelingen, verschiedene Ansichten und politische Zugänge vom Burgenland bis nach Vorarlberg zu einen und konstruktiv zu kanalisieren.“ (APA)


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