Tyrolean Airways verabschiedet sich: Das Ende eines Überfliegers

Die 1980 gegründete Tyrolean Airways war einmal die drittgrößte Regionalgesellschaft in Europa.

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Die Dash 8/300-Quiet 1997.

Innsbruck –Als am 31. Mai zum letzten Mal eine Dash 8 vom Innsbrucker Flughafen abhob, dürfte so mancher der Anwesenden heimlich eine Träne verdrückt haben. Verabschiedete sich doch das letzte Flugzeug der ehemaligen Tyrolean-Flotte. Dabei war die Tyrolean Airways einmal die drittgrößte regionale Fluggesellschaft Europas.

Prinz Faysal von Jordanien (l.) übergibt Tyrolean-Chef Fritz Feitl (o. l.) den Preis für die regionale Fluglinie des Jahres 1997/98.

1978 kaufen Gernot Langes-Swarovski und Christian Schwemberger-Swarovski die kleine „Aircraft Innsbruck“ und nennen sie in Tyrolean Airways um. Am 1. April 1980 werden die ersten Linienflüge mit einer DHC-7 von Innsbruck nach Wien und Zürich aufgenommen. Bald folgen die ersten Urlaubscharter nach Korfu, Palma und Calvi. Tyrolean führt die erste Charterkette nach London durch. „Es ist auch für Fachleute immer wieder überraschend, wie viele Destinationen Tyrolean ab Wien aufgebaut hat“, betont Manfred Helldoppler, ab 2006 Tyrolean-Geschäftsführer. Und die meisten Destinationen seien heute noch fixer Bestandteil des Streckennetzes der AUA, die 1994 rund 43 % von Tyrolean übernommen hat. 1997 besitzt Tyrolean 28 Flugzeuge und europaweit startet alle neun Minuten ein Tyrolean-Flieger. Das Flugnetz umfasst 36 nationale und internationale Destinationen.

Die Winter­uniformen der Tyrolean 1996.

„Was viele auch nicht wissen, die Tyrolean war bei allen von ihr angeschafften Flugzeugtypen Pionier und hat die Flugzeuge gemeinsam mit den Herstellern weiterentwickelt und verbessert“, erzählt Helldoppler. Der Wartungsbetrieb Tyrolean Technik am Flughafen Innsbruck hat eine weltweit anerkannte führende Position bei Betrieb und Wartung von Turboprop-Flugzeugen – insbesondere beim Typ DHC-8. Für diese Maschinen wird auch die Head-up-Guidance für Landungen nach Kategorie 3A – das heißt bei nur 100 Fuß Vertikalsicht und 300 Meter Pistensichtweite – eingeführt. Dabei wird bei der Landung eine durchsichtige Scheibe hochgefahren, auf der alle wichtigen Parameter für die Landung aufscheinen. „Tyrolean war meines Wissens der einzige Operator, der diesen Typ so ausgerüstet bzw. zugelassen hat“, so Helldoppler.

Tyrolean entwickelt für die De-Havilland-Canada-DHC-7 Mitte der 1980er eine ergänzende Typengenehmigung für den Flugbetrieb nach Courchevel, einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Als eine der ersten Regionalfluglinien weltweit wird Tyrolean 2005 durch die IATA mit dem IOSA-Zertifikat ausgezeichnet und erhält im Laufe der Jahre etliche internationale Auszeichnungen.

2008 bis 2010 – als immer noch eigenständige Regionalfluggesellschaft mit 1827 Mitarbeitern – hatte Tyrolean eine Flotte von 59 Flugzeugen. Mit rund 2200 Flügen pro Woche zu 72 Destinationen wurden zwei Drittel aller Flüge der AUA durchgeführt. Dabei werden mit 5,2 Mio. Passagieren pro Jahr 50 % aller AUA-Passagiere befördert. Doch ab 2009 wird die hochprofitable Tyrolean – sie ist seit 1998 eine 100-%-Tochter der AUA – scheibchenweise demontiert, begleitet von Standortgarantien, die nie lange halten. 2010 saniert sich die AUA auf Kosten der Tyrolean, die jährlich Millionengewinne einfliegt. 2012 rettet die Tyrolean die AUA vor der Pleite, indem die Konzernmutter ihren Flugbetrieb in die Tyrolean überführt. 2015 folgt die Fusion, der Firmenname Tyrolean verschwindet. Am 31. Mai 2021 hebt die letzte Dash in Innsbruck ab. Die Tyrolean ist Geschichte – und damit ein Unternehmen, das den Luftverkehr in Österreich entscheidend mitgeprägt hat.

Mit der Dash 7 begann der Höhenflug der Airline.

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