Ausstellung von Bernd Oppl: Verirrspiele an Orten des Möglichen

Bernd Oppl zelebriert in der Studiogalerie des Ferdinandeums seine geheimnisvollen „Raumwechsel“.

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Gesungen wird James Blakes sentimentales Lied „Retrograde“ in Bernd Oppls im Miniaturformat nachgebauter Karaoke-Bar nicht.
© Bernd Oppl

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Digitale und reale, physische und psychische Räume überlappen sich in der Kunst von Bernd Oppl auf verblüffende Art und Weise. Das passiert derzeit in der musealen Studiogalerie, die der 41-jährige, in Wien lebende Innsbrucker mit Arbeiten verwandelt, die zwischen 2009 und dem heurigen Jahr entstanden sind. Die jüngste davon maßgeschneidert für den Spielort in den Tagen vor der Eröffnung der Schau. Die monumentale Installation mit dem Titel „like a hole in a room like a room in a hole“ macht den Besucher/die Besucherin zum Teil des Settings, das aus zwei außen schwarzen, innen weißen Kuben mit einer Seitenlänge von zwei Metern besteht. Durch Spiegel werden aus zwei plötzlich drei Räume, die sich je nach Standort des Betrachters scheinbar ins Unendliche erweitern.

Womit sich raffiniert ein Spiel mit Blicken auftut, Räume auf irritierende Art und Weise auftauchen und wieder verschwinden. Was hier in großem Maßstab zelebriert wird, passiert einen Stock tiefer in ganz kleinem. Wo der Ausstellungsbesucher zum stillen Beobachter, fast zum Voyeur wird. Hat Oppl hier doch sieben kleine Raummodule positioniert, die wie Guckkästen daherkommen, in denen sich Eigenartiges tut. Das durchaus assoziativ sein kann, wie etwa in der 2009 entstandenen Videoskulptur „Korridor“, wo der Künstler den langen Gang aus Stanley Kubriks Film „The Shining“ rekonstruiert. Anstatt Blut flutet hier allerdings in rhythmischen Bewegungen ein Schwall kleiner weißer, aus den Türrahmen quellender Kugeln den Gang, während sich in dem animierten Video „We have more than beds to dream in“ von 2020 eine schwarze Tuschewolke in einem Wassertank scheinbar zufällig ausbreitet. Was Oppl ganz bewusst geschehen lässt, ja zum Teil einer Inszenierung macht, in der Phänomene wie Raum und Zeit Regie führen.

Die Bühnen, auf denen das spielt, baut der Künstler im Miniaturformat exakt nach. In der Arbeit „Sendepause“ etwa ein offensichtlich schon lange verlassenes, zur Medienruine verkommenes Fernsehstudio. Zum funktionslos gewordenen Funktionsraum mit hohem Potenzial, zum individuellen Vorstellungsraum geworden.

In einem anderen Guckkasten liegt wiederum ein leuchtender Monitor in einem komplett abgedunkelten und wie immer bei Oppl menschenleeren Raum auf einem Bett, in „Rhythm in the Night“ von 2019 taucht eine sich drehende Disko-Kugel eine Karaoke-Bar in gleißend buntes Licht. Der an die Wand projizierte Text eines Liedes, in dem es um Einsamkeit geht, bleibt allerdings ungesungen.

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