Schlagabtausch der Extreme: Kopf-an-Kopf-Rennen in Peru

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Keiko Fujimori liegt bei der Stichwahl knapp vorn.
© LUKA GONZALES

Lima – Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: Die rechtspopulistische Kandidatin Keiko Fujimori lag am Montag nach Auszählung von knapp 89 Prozent der Stimmen mit 50,5 Prozent der Stimmen vorn. Der linksgerichtete Bewerber Pedro Castillo, der aus der ersten Wahlrunde im April als Überraschungssieger hervorgegangen war, kommt demnach auf 49,49 Prozent. Es hatte sich bereits im Vorfeld ein knappes Rennen abgezeichnet.

Nach Angaben der Wahlkommission müssen noch Stimmen in ländlichen Regionen sowie Stimmen der Peruaner im Ausland ausgezählt werden. Der 51-jährige Castillo zeigte sich angesichts der Teilergebnisse gelassen. „Unsere Stimmen aus den ländlichen Gebieten“ müssten noch ausgezählt werden, sagte er. Seine Partei genießt besonders auf dem Land einen starken Rückhalt.

Stunden zuvor hatten erste Teilergebnisse die Anhänger der Rechtspopulistin Fujimori jubeln lassen: Nach der Auszählung in 42 Prozent der Wahllokale lag sie mit 52,9 Prozent der Stimmen rund sechs Prozentpunkte vor Castillo. Viele Bewohner der reichen Viertel Limas gingen auf die Straßen und feierten ihre Favoritin.

Fujimori in Korruptionsaffäre verwickelt

Die 46-jährige Fujimori, Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori, bewarb sich bereits zum dritten Mal um das höchste Staatsamt. 2011 und 2016 landete sie in der Stichwahl jeweils knapp hinter ihren Konkurrenten. Fujimori steht in der weitverzweigten Affäre um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht unter Korruptionsverdacht und verbrachte insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft.

Ihr Vater verbüßt wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen eine 25-jährige Haftstrafe. In seiner Amtszeit (1990-2000) ließ er die Sicherheitskräfte rigoros gegen linke und angeblich subversive Kräfte vorgehen, das Parlament wurde entmachtet. Zudem wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert. Im Fall eines Wahlsiegs will Fujimori ihren Vater begnadigen.

Dorfschullehrer Castillo wollte im Fall eines Wahlsiegs einen sozialistischen Staat aufbauen.
© ANDRES VALLE

Der 51-jährige Gewerkschafter und Lehrer Castillo hatte 2017 landesweit Bekanntheit erlangt, als er einen Lehrer-Streik anführte. Castillo genießt vor allem in ländlichen Regionen starken Rückhalt. Castillo wollte im Fall eines Wahlsiegs einen sozialistischen Staat aufbauen, die Medien stärker kontrollieren und das Verfassungsgericht abschaffen. Fujimori, steht für eine neoliberale Wirtschaftspolitik und eine Sicherheitsstrategie der harten Hand.

Ähnliche gesellschaftspolitische Ansichten

Auf den ersten Blick könnten die Rivalen unterschiedlicher kaum sein: Castillo stammt aus einer bäuerlichen Familie aus der Provinz Chota im Norden des Landes. Er gibt sich als Außenseiter im Politikbetrieb und verfügte vor Beginn der Kampagne nicht einmal über ein Twitter-Konto. Fujimori hingegen gehört zur Elite des Landes, studierte Betriebswirtschaft in den USA und bewegte sich bereits in jungen Jahren in den politischen Kreisen Limas. Nach der Scheidung der Eltern galt sie jahrelang als First Lady und begleitete ihren Vater bereits mit Anfang 20 auf zahlreichen Auslandsreisen.

Auch wenn Castillo und Fujimori für gegensätzliche Extreme auf der politischen Skala stehen, liegen sie bei ihren gesellschaftspolitischen Ansichten gar nicht weit auseinander: Beide vertreten ein konservatives Familienbild, sind gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung. Beide setzen auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und messen dem Schutz von Umwelt und Menschenrechten keine große Bedeutung zu.

Enorme Herausforderungen warten

Die Herausforderungen für den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin sind enorm: Peru leidet besonders stark unter der Corona-Pandemie. Es gehört zu den Ländern mit der höchsten Sterblichkeitsquote weltweit, zudem brach die Wirtschaft um 12,9 Prozent ein.

Im Landesinneren sind außerdem noch immer Splittergruppen der Guerillaorganisation Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) aktiv. Vor zwei Wochen hatten Rebellen in den Tälern der Flüsse Apurímac, Ene und Mantaro bei einem Massaker 16 Menschen getötet und in einem Pamphlet zum Boykott der Wahl aufgerufen. Am Sonntag blieb es nach Angaben des Wahlamtes zunächst allerdings ruhig.

Das vergangene Jahr war zudem von einem erbitterten Konflikt der Regierung mit dem Kongress geprägt. Zunächst drängten die Parlamentarier Präsident Martín Vizcarra aus dem Amt, dann warf dessen Nachfolger Manuel Merino nach heftigen Protesten das Handtuch. Zuletzt wurde das südamerikanische Land von Übergangspräsident Francisco Sagasti geführt. (dpa/APA/AFP, TT.com)


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