Bildungshaus Osttirol: „Lieber ein Park als noch mehr Stellplätze für Autos“

Paul Senfter ist mit dem Umbau des Widums der Pfarre St. Andrä für das Bildungshaus Osttirol beauftragt und beschreibt das Nutzungskonzept.

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Bildungshaus-Osttirol-Leiterin Gabriele Lehner und Dekan Franz Troyer erwarten durch den Umbau eine Vielzahl von Synergien.
© Bildungshaus Osttirol

Von Christoph Blassnig

Lienz – Die Vorbereitungen für den Umzug des Bildungshauses Osttirol in das Pfarrhaus St. Andrä in Lienz laufen. Der Architekt Paul Senfter wird vom Pfarrkirchenrat noch mit der Erstellung einer detaillierten Kostenschätzung für die umfassende Renovierung des Widums beauftragt. Erst wenn ein Betrag ermittelt ist, kann die Finanzierung endgültig geklärt werden. Eine vorsichtige Schätzung geht von Kosten zwischen zwei und drei Millionen Euro aus.

Die Örtlichkeit, vor Hochwasser gut geschützt etwas oberhalb des Talbodens mit weitem Blick auf die Dolomiten im Süden, sei nicht umsonst vor langer Zeit besiedelt worden, meint der Architekt. Eine frühchristliche Kirche soll hier bereits im 5. Jahrhundert begründet worden sein. Die in der Folge errichtete Pfarrkirche St. Andrä thront seit bald 600 Jahren majestätisch als dreischiffiger Sakralbau, der Turm als mächtiges Wahrzeichen. „Mit dem städtischen Friedhof, dem Kirchenwirt, dem Jugendheim und dem Pfarrhaus samt Grünflächen bestehen historische Strukturen, die man respektieren muss“, sagt Senfter. Daher soll die Umgebung in ein Gesamtkonzept samt Bildungshaus mit einbezogen werden. Parkplätze sollen nur im absolut notwendigen Maß bereitgehalten werden. „Lieber ein Park als neue Stellplätze.“

Das Pfarrhaus selbst wurde zuletzt vor 50 Jahren umgebaut. Der nordöstliche Gebäudeteil wird künftig das Bildungshaus aufnehmen. Im Obergeschoß ist ein kleiner Saal geplant, darunter Büros. Das bestehende Stiegenhaus muss zum Teil einem Personenaufzug Platz machen und wird außerdem nördlich mit einem zusätzlichen Eingang erschlossen. Herzstück des Bauwerkes wird ein neuer Veranstaltungssaal mit 100 Quadratmetern Grundfläche, ebenerdig in den Innenhof des Widums gesetzt und mit einer Glasfassade zur Terrasse im Osten. „Der Zugang zum Saal erfolgt zentral über ein Foyer in den Gewölberäumen im Westen, das ergibt eine reizvolle Kombination mit dem Neubau“, beschreibt der Architekt seine Pläne. Bei Bedarf könne der Saal, den auch die Pfarrgemeinde nutzen wird, auf 150 Quadratmeter vergrößert werden, indem eine faltbare Wand verschoben wird. Die jetzige Apostelstube im Süden soll mit Vorräumen zusammengelegt und in einen dritten Veranstaltungsort mit 70 Quadratmetern Fläche verwandelt werden. „Dann können unterschiedliche Veranstaltungen zeitgleich stattfinden, ohne sich gegenseitig zu stören“, erläutert Senfter das Nutzungskonzept.

Eine Besonderheit sei auch die mögliche Nutzung der Krypta unter dem Altarraum der Pfarrkirche. Der bisher stets verschlossene Raum ist durch Fenster relativ hell und könnte über eine Rampe um das Gemäuer auch barrierefrei erschlossen werden.


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