Biennale 50x50x50: Grenzenlose Neugier auf das Kunstschaffen von heute

Erstmals mit Euregio-Konzept: Die Biennale 50x50x50 bringt 62 Kunstschaffende aus Südtirol, Tirol und dem Trentino zusammen.

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Cibulkas erstes „Solange“-Netz in Südtirol hängt an der Fassade der Franzensfeste. Ein weiteres hat die Innsbruckerin in Klagenfurt enthüllt.
© Engl

Franzensfeste – 50 Künstlerinnen und Künstler in 50 Räumen für 50 Tage. Seit zehn Jahren ist das das Rezept der Südtiroler Überblicksschau zeitgenössischer Kunst „50x50x50“, die biennal in der Festung Franzensfeste abgehalten wird. 2011 ist auf Initiative des Künstler Hartwig Thaler die heimische Jetztkunst in die Festung eingezogen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Biennale wird die Schau heuer von Kunstschaffenden der Euregio bestückt; 62 Kunstschaffende aus Südtirol, Tirol und dem Trentino.

Damit ist 50x50x50 im üppigen Programm des Euregio-Museumsjahres, das Ende Mai offiziell eröffnet wurde, die einzige Veranstaltung, die derzeit aktive Kunstschaffende länderübergreifend zusammenbringt und Austausch nicht nur theoretisch abhandelt. Am vergangenen Samstag wurde die Eröffnung mit rund 600 Anwesenden und drei Performances gefeiert.

Aus Innsbruck reisten dafür Kata Hinterlechner und Bosko Gastager an, die als Experimental Setup ihre „IV Opferung“ performten. Installatives liefern die beiden in der Unteren Festung nach, wo sie einen Raum mit ihren Exponaten, u. a. einer golden schimmernden Opfermaske, in eine zeitgenössische, sinnliche Kunst- und Wunderkammer verwandelten.

Auf die Zeit der Isolation der letzten Monate reagiert hingegen Benjamin Zanon, der gleich nebenan neueste Zeichnungen ausstellt. Sogar in einer scheinbar völlig neuen Welt stellt sein Zeichenstrich ein Kontinuum dar. Und für Maria Walcher ist die neue Normalität nicht ohne die Begriffe „Walk“ und „Work“ zu denken, wie ihre Soundinstallation tief im Inneren der Festung eindrucksvoll spüren lässt.

Nicht innerhalb, sondern direkt an der Fassade der Festung prangt die wohl auffälligste Arbeit dieser Biennale: Katharina Cibulka, der erst vor Kurzem der Preis des Landes Tirol für zeitgenössische Kunst 2021 zugesprochen wurde, hat anlässlich von 50x50x50 ihr erstes Solange-Netz in Südtirol realisiert. „Solange es Eier braucht, um an die Spitze zu kommen, bin ich Feminist:in“, ist dort zu lesen. Es ist das nunmehr 17. Netz ihrer „Solange“-Reihe, dieses Mal in Englisch, angepasst an die Touristenströme, die sich post Corona allwochenendlich über die Brennerautobahn wälzen. Schon von hier aus ist Cibulkas feministische Botschaft gut zu lesen.

Ein Grundthema wird der Biennale auch 2021 nicht übergestülpt, ohne kuratorischen Druck wird bewusst „allen alles“ (so das Ausstellungsmotto) zugesprochen – ein Slogan, der von AliPaloma spitzfindig hinterfragt wird. 50x50x50 ist eben eine von Kunstschaffenden realisierte Initiative, bei der die Vielfalt zählt – auch an Qualitätsstufen. Das Besondere heuer: 50x50x50 ist erstmals grenzenlos neugierig. Wäre das nicht ein Konzept, das Schule machen könnte? Alle, die sich einen Überblick über das heimische Kunstschaffen machen wollen, kommen an der Festung Franzensfeste heuer jedenfalls nicht vorbei. (bunt)

📍 Festung Franzensfeste. Bis 3. Oktober, Di–Fr 10–18 Uhr. Alle Infos zu 50x50x50: artsuedtirol.it


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