Für den Brennerbasistunnel geht es in der EU jetzt ums Geld

Zügiger Baufortschritt beim Brennerbasistunnel ist notwendig, um bis 2027 EU-Förderungen von Hunderten Millionen Euro abzurufen.

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Martin Gradnitzer (l.) und Gilberto Cardola sind nicht nur beim Bau, sondern auch bei der Kofinanzierung durch die EU gefordert.
© BBT SE

Innsbruck – Geschlossenheit nach innen, keine Spekulationen nach außen: Die beiden Vorstände der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE, Martin Gradnitzer und Gilberto Cardola, machten gestern klar, dass es ihr Ziel sei, den Tunnel so schnell wie möglich zu bauen. Ende 2031 soll er fertig sein und 2032 in Betrieb gehen. „Das ist der klare Auftrag an die Vorstände“, so Gradnitzer. Zugleich hofft die BBT-Spitze, mögliche Risken, „die auftreten können und nicht in unserer Macht stehen“, zu bewältigen. Deshalb wurde vom BBT-Aufsichtsrat in einer internen Risikoanalyse von maximalen Verzögerungen bis 2034 gesprochen.

Zu den Baukostensteigerungen will sich Gradnitzer derzeit offiziell nicht äußern, intern werden wegen der Verzögerungen die Mehrkosten mit bis zu 500 Millionen Euro beziffert. Das wären dann rund 9,8 Milliarden Euro. Für Gradnitzer gehört es auch zu einem professionellen Projektmanagement, dass Verträge wie im Vorjahr für das größte Baulos Pfons-Brenner mit einem Volumen von 966 Mio. Euro aufgelöst werden. „Ich hoffe aber, dass dies nicht mehr vorkommt.“ Das Baulos wurde zwischenzeitlich aufgeteilt, in einem ersten Abschnitt sollen bereits im Herbst 2021 die Arbeiten wieder aufgenommen werden. 48 Kilometer Haupttunnel sind derzeit schon ausgebrochen, insgesamt 140 von 230 Tunnel-Kilometern inklusive Erkundungs- und Zufahrtsstollen.

📽️ Video | Brenner-Basistunnel soll 2032 in Betrieb gehen:

Was die Auseinandersetzungen mit dem Baukonzern Porr nach der Vertragsauflösung betrifft, will Gradnitzer nicht spekulieren. Im Hintergrund wird jedoch intensiv über einen außergerichtlichen Vergleich verhandelt. Der dürfte die BBT SE allerdings zig Millionen Euro kosten.

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Um Millionen geht es auch in Brüssel. Bis 2019 hat die EU eine Kofinanzierung von 1,2 Milliarden Euro zugesagt. Für 2020 rund 390 Mio. Euro für Arbeiten und Studien. Damit in der laufenden Finanzierungsperiode Förderungen von mehr als 500 Millionen Euro abgeholt werden können, benötigt es einen entsprechenden Baufortschritt. Verzögerungen kosten EU-Geld. Denn wie sagt es EU-Brennertunnelkoordinator Pat Cox bei jeder sich bietenden Gelegenheit: „Use it or lose it.“ (Nütze oder verliere es). Die Gelduhr in Brüssel tickt, der Druck liegt auf der Tunnelgesellschaft. (pn)


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