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Retter gingen bei Einsatz im Außerfern an ihre Grenzen

Dunkelheit, ausgesetzter Fels und schlechte Ausrüstung: Diese Kombination wurde zwei Deutschen in den Seebenwänden zum Verhängnis.
© BR

Von Simone Tschol

Ehrwald – Einen Vorgeschmack auf den Sommer bekamen die Bergretter der Einsatzstelle Ehrwald. „Sie sind wieder da“, meint Ortsstellenleiterin Regina Poberschnigg zu den ersten in Not geratenen Urlaubern. Vor allem der Fronleichnamstag hatte es in sich. Die alpinen Helfer waren bis 4 Uhr Früh gefordert.

Schon zu Mittag hatten sich zwei Deutsche im Bereich der Wiener Neustädter Hütte verstiegen. Aufgrund der enormen Schneemassen kletterten sie im felsigen Gelände Richtung Zugspitze, unerfahren und schlecht ausgerüstet, war weder ein Aufstieg noch ein Abstieg möglich. „Wir haben heuer extra Schneestangen gesetzt, um den Weg zu markieren. Aber der Schnee ist dort so faul, dass man bis zum Bauch einsinkt. Und die Wanderer sind derart schlecht ausgerüstet, dass einem die Worte fehlen“, ärgert sich die Bergrettungschefin.

Um 19 Uhr dann die nächste Einsatzmeldung: Verstiegene Personen im Bereich Hoher Gang, Ortung nicht möglich. Die Bergrettung suchte die Felsen der Seebenwände mit einer Drohne ab und konnte die zwei Deutschen schließlich orten. Eine Rettung per Heli war nicht möglich, da sie unter einem Überhang festsaßen. Also machten sich 20 Bergretter auf den Weg. Im ausgesetzten Felsbereich mussten erst mit der Bohrmaschine Stände gebohrt werden. „Da sind alle an ihre Grenzen gegangen. Es herrschte hohe Steinschlaggefahr, der Einsatz war saugefährlich. Wir müssen da künftig mehr aufpassen, Eigenschutz geht vor“, sagt Poberschnigg und fügt hinzu: „Dann müssen die Wanderer eine Nacht am Berg verbringen. Da hätten sie genug Zeit, mal darüber nachzudenken, was sie da eigentlich tun.“

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