Renault stellt Kangoo neu auf: Der Ahnvater lässt grüßen

Renault stellt den Kangoo neu auf, als Pkw und als Kastenwagen (Van). Der Vorgänger lebt dennoch weiter, nämlich im Express – er ersetzt den Dacia Dokker.

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Fescher, fitter und flotter: Renault hat den Kangoo neu gemacht, er kann komfortable Familienkutsche oder vielseitig nutzbarer Kastenwagen sein.
© Renault

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Bad Erlach – Als Synonym für Geräumigkeit durchgehen könnte der Kunstname Kangoo. Den trägt der 1997 als Nachfolger des Rapid eingeführte Stadtlieferwagen somit zu Recht. Bisher in zwei Generationen. 2008 wurde er erneuert. Trotz kontinuierlicher Adaptierungen und Aktualisierungen wirkt er jetzt reichlich angestaubt. Zwischenzeitlich hat der Hochdachkombi/Kompakttransporter seine Baubasis dem Dokker der Tochtermarke Dacia sowie dem NV200 des Allianzpartners Nissan zur Verfügung gestellt, ebenso dem Citan von Mercedes-Benz. Seine Stromer-Derivate waren und sind Mit-Wegbereiter der Elektrifizierung bei der Rhombus-Marke.

An seinen wahren Urahnen, den in 31 Jahren mehr als acht Millionen Mal verkauften R4, kommt der Kangoo aus Stückzahl-Sicht betrachtet wohl noch eine Weile nicht heran, mit bislang 4,2 Millionen abgesetzten Exemplaren. Doch Renault arbeitet daran. Mit der neuen (3.) Generation. Dafür hat man sich einiges einfallen lassen. Das erschöpft sich längst nicht im fescheren Outfit, dem neuen Interieur – vollumfänglich auf Pkw-Niveau – und der elektronischen Mitgift, mit Digital-Instrumentierung, Konnektivität und Sicherheitsassistenz, sowohl im Pkw als auch im Nützling (Van). In der Pkw-Version liegt das Kofferraumvolumen zwischen 775 und 3500 Liter. Hier lässt der Ahnvater R4 grüßen, denn da passte auch noch viel mehr hinein, als man glaubte.

Neue Kangoo-Atouts sind etwa weiter öffnende seitliche Schiebetüren, nun mit E-Fensterhebern und voll versenkbaren Scheiben, sowie ein 90-Grad-Öffnungswinkel der Vordertüren. Der Konstruktions-Clou im Kastenwagen: Rechts hat er keine B-Säule. Die Seitentüre gibt eine noch breitere Öffnung frei. Das ist kombiniert mit einem klapp-/schwenkbaren Beifahrersitz sowie einem versetzbaren Trenngitter. Das ermöglicht seitlichen Zugang – zu Ladegut (Ladevolumen: 3,3 bis 3,8 m3) oder Werkzeug oder Einbaugeräten. Das System heißt Open Sesame und soll in dicht verparkten Städten die Zugänglichkeit erleichtern. Die Sicht nach hinten optimiert ein optionaler digitaler Innenspiegel.

Zur Abrundung des Nützlingsprogramms führt die Rhombus-Marke den Dacia Dokker weiter. Als Renault Express (3,3 m3 Laderaum), mit optisch sowie technisch neu interpretiertem Aufbau.

Angetrieben werden die Kangoos von einem gut bekannten, technisch aktualisierten Motorenprogramm: 1,33-Liter-Benziner mit 100 oder 130 PS, 1,5-Liter-Diesel mit 75 und 95 PS, gekoppelt je nach Leistung entweder an eine manuelle 6-Gang- oder eine 7-stufige Direktschaltung.

Das erste aktive Rendezvous ging in der Pkw-Version mit 95 PS starkem Diesel und Handschaltung über eine kurze Runde. Für auf neuer Höhe befunden: Ergonomie, Fahrwerk sowie Lenkung, Agilität, Bremsen, Geräuschdämmung. Der Franzose ist flotten Kurventänzchen nicht abgeneigt – als solo gefahrener Pkw nicht und, auf fast ebensolchem Niveau, als (mit 260 Kilo) beladener Kastenwagen ebenso nicht. Der Express debütierte mit 100-PS-Benziner (130 PS gibt’s für ihn nicht), damit kommt er sehr gut aus, sehr komfortabel, an den Dokker erinnert er nur im entferntesten.

Es werden noch eine Menge Details für die Kangoos nachgereicht. Allradantrieb ist zwar nicht dabei, da muss man sich mit einem Traktionshilfesystem begnügen. Dafür kommt eine zweite Längen-Version, im Pkw mit optionaler Siebensitzigkeit. Die Antriebe werden im kommenden Jahr um eine Elektro-Version ergänzt (gilt nicht für den Express). Samt 44 kWh-Akku wird’s 102 PS Leistung und bis zu rund 285 Kilometer (lt. WLTP) Reichweite geben. Die Ab-Preise: Kangoo Pkw 19.922/25.150 Euro, Kangoo Van 17.900/21.480 Euro, Express 14.500/17.400 Euro.


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