Nissan Qashqai: Neuauflage eines Pioniers

Vor vierzehn Jahren war der Nissan Qashqai der erste SUV-Crossover – jetzt tritt die dritte Generation in dem inzwischen dicht besetzten Segment an.

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Gewohnte Tugenden, frisch aufbereitet: Der Qashqai ist so funktionell und praktisch, wie er war, aber technisch auf dem neuesten Stand und digital aufgebrezelt.
© Nissan

Von Stefan Pabeschitz

Wien – Erinnert sich noch jemand an den Nissan Almera? Ihm haben wir den Qashqai zu verdanken – oder besser: der Tatsache, dass es ihn nicht mehr gibt. Nissan Europa sieht in den Nuller-Jahren im heiß umkämpften Kompakt-Segment nur noch wenig Entwicklungschancen. Jemand greift zum Zeichenstift und entwirft ein Gegenkonzept zum Hatchback-Kombi-Limo-Einheitsbrei, mischt frech SUV-Charakter mit Pkw-Zitaten und landet damit einen Volltreffer ins Herz des Kundengeschmacks – der Qashqai wurde für Nissan zur Cashcow.

Beachtliche fünf Millionen verkaufte Stück später ist nun Generation drei dran, sich in der mittlerweile dicht besetzten Crossover-Liga zu behaupten. Und das Kunststück zu schaffen, die inzwischen geforderten neuen Tugenden zu erfüllen, ohne die alten zu verraten. Der neue Qashqai verfügt jedenfalls über die gleiche unaufdringliche Bulligkeit wie seine Vorgänger, wirkt aber dem Zeitgeist entsprechend technischer und kühler. Bündige Flächen, vor allem die glatte Flanke und die Richtung Heck strukturiertere Schulterlinie verpassen ihm einen stämmigen Look, der hinten kantig abschließt. Unter dem Blech findet sich die CMF-C-Plattform der Nissan-Renault-Mitsubishi-Allianz, die etwa auch die neuen Modelle Kangoo und Outlander der Partner-Marken trägt.

Drinnen war Nissan die Vermeidung von allem wichtig, was als „visueller Lärm“ gelten mag – also unnötige Verschachtelungen und unfunktioneller Zierrat. Das Qashqai-Cockpit ist aufgeräumt, ergonomisch sauber und optisch ansprechend gelöst. Die gute Nachricht für alle, die allergisch auf Fingertapper reagieren: Auch der Klavierlack-Wahnsinn hat hier ein Ende gefunden – er ist hübschen, mit seidenmatter Struktur versehenen Paneelen gewichen. Lobenswert ist die Rückbesinnung auf grundlegende Komfort-Details, weich gepolsterte Armlehnen und hohes Niveau der Sitzqualität.

Als einziger Motor hat sich vorerst der 1,3-Liter-Benziner in zwei Ausbaustufen zu 140 und 158 PS in die dritte Generation des Qashqai gerettet. Für den beliebten und zu dieser Fahrzeuggattung gut passenden Diesel gibt es keine Neuauflage – stattdessen wird im kommenden Jahr eine e-Power-Variante nachgereicht, deren Räder rein elektrisch angetrieben werden. Den Strom erzeugt aber ein Hocheffizienz-Benziner an Bord.

Ergänzt werden die zum Marktstart Mitte Juli verfügbaren herkömmlichen Motoren um eine 12-Volt-Mildhybrid-Anlage. Nissan begründet diese besonders milde Ausführung mit Kostenrechnung: Das Entwicklungsbudget war für Gewichtseinsparungen besser investiert – weil deren positiver Verbrauchseffekt höher ist als der eines teureren E-Boosters mit mehr Volt in einem schwereren Auto. Erste Fahrten in und um Wien bestätigen diese Kalkulation: Beide Varianten blieben ohne Anstrengung bei 6,5 Litern Verbrauch, der Einsatz des E-Boosters erfolgt nahtlos und unmerkbar, schlägt sich aber in ansprechender Agilität nieder. Bei Lenkung und Handling-Präzision hat der Qashqai nachgelegt und erfüllt damit seinen ursprünglichen Auftrag von Pkw-Dynamik mit SUV-Funktionalität. Auch preislich bleibt er grundsätzlich geerdet: In der Grundausstattung Visia startet er in der 140-PS-Variante mit Sechsgang-Handschaltung zu 26.589 Euro, der stärkere Motor kostet 1310 Euro mehr.


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