Wifo wird Wirtschaftsprognose für heuer deutlich anheben

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Wifo-Chef Badelt erwartet harte Zeiten am Arbeitsmarkt.
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Wien – Das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo wird seine Prognose für das heurige Jahr deutlich hinaufschrauben. Das erklärte der scheidende Wifo-Chef Christoph Badelt am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Das Wifo gehe mittlerweile davon aus, dass die Industrieproduktion bereits heuer das Vorkrisenniveau erreichen wird. Der „überraschend starke“ Aufschwung sei aber kein „Wirtschaftswunder“, sondern lediglich ein Erholungseffekt.

Mit Blick auf die Staatsschulden erwartet Badelt harte und schwierige politische Diskussionen und ein Nulldefizit frühestens in vier bis fünf Jahren. Wichtig sei aber ein EU-weit koordiniertes Vorgehen, damit nicht alle Länder gleichzeitig zu sparen anfangen und damit die nächste Krise herbeiführen. Die Politik müsste sich daher endlich auf Strukturreformen verständigen, so Badelt. Bei einer Gesamtreform des Abgabensystem gehöre der Faktor Arbeit, auch bei den Sozialversicherungsbeiträgen, entlastet und gleichzeitig klimaschädliches Verhalten belastet. Auch „manche Formen von Vermögenssteuern“ kämen für Badelt infrage.

Pessimistisch äußerte sich der Volkswirt zum Arbeitsmarkt. Einerseits werde die Zahl der Langzeitarbeitslosen höher sein und nur schwer zu senken sein. Andererseits hätten sich die Probleme im Bildungssystem durch die Pandemie und den Unterricht von zuhause verschärft, insbesondere in sozial benachteiligen Haushalten mit Migrationshintergrund. Das werde in Zukunft dazu führen, dass ein viel zu hoher Anteil an Jugendlichen nicht fähig sein wird, eine Lehre zu beginnen.

Der scheidende Wifo-Chef sprach sich für eine weitere Einmalzahlung beim Arbeitslosengeld aus. Das koste nicht so viel, helfe aber viel. Ebenso seien aufgrund der Corona-Krise viele Ein-Personen-Unternehmen (EBU) und Selbstständige armutsgefährdet. Hier gebe es eine Lücke im Sozialsystem. Daher dürfe man den Härtefallfonds jetzt „auf gar keinen Fall stoppen“, warnte Badelt.

In puncto Inflation teilt Badelt die Einschätzung vieler Experten, dass es sich um einen vorübergehenden Effekt aus der Krise handelt. Für eine Teuerungsspirale, ausgelöst von der Geldpolitik der EZB, sieht er „im Augenblick keinerlei Hinweise“. Die Zinsen würden aber noch länger niedrig bleiben. (TT)


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