Mehr als 3000 Wildunfälle pro Jahr in Tirol: Meist bleibt nur der Gnadenschuss

Wenn es zu einem Wildunfall kommt, sollten sich nur Jäger dem verletzten Tier nähern.

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Weit mehr als 3000 Tiere werden jährlich in Tirol im Verkehr getötet – am häufigsten Füchse, Marder, Dachse und Rehe.
© Schwärzler/TJV

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Rund 100 Stundenkilometer schnell fuhr jenes Auto, das vergangene Woche auf der Europabrücke bei Schönberg einen ausgewachsenen Wolf erfasst hatte. Das Männchen, 27 Kilo schwer, war auf der Stelle tot. Wildunfälle mit Beutegreifern sind in Österreich äußerst selten, am häufigsten trifft es hierzulande Rehe, Füchse, Dachse oder Marder. Selbst wenn die Tiere nach der Kollision noch leben, sollte sich nur ein Jäger nähern. Oft sind sie aber so schwer verletzt, dass nur noch der Gnadenschuss bleibt.

Wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) schätzt, passiert in Tirol durchschnittlich alle 4,5 Stunden ein Wildunfall, mehr als 3000 Tiere werden jährlich im Verkehr getötet. Laut Statistik Austria starben im Betrachtungszeitraum 2019/20 insgesamt 1472 Stück Rehwild, gefolgt vom Rotwild (218), Gamswild (10) und auch zwei Murmeltiere. „Vom Haarraubwild liegen keine genauen Zahlen vor“, sagt Markus Schwärzler, Geschäftsführer des Tiroler Jägerverbandes. „Geschätzt verenden aber zirka 1500 Füchse, Marder und Dachse.“ Besonders in der Nacht und während der Dämmerung sei das Risiko eines Wildunfalls selbst im Sommer groß, sagt Schwärzler, der auch als Jagdaufseher fungiert. Passiert einer, solle der Lenker zuerst die Unfallstelle sichern. Dann müsse Polizei oder örtliche Jägerschaft angerufen und über das Geschehene informiert werden.

„Das gilt auch, wenn das Tier geflüchtet ist. Häufig kommt das nämlich vor und dann muss das Wild mit einem eigens dafür ausgebildeten Jagdhund gesucht werden“, meint der Experte. Liege das Tier noch verletzt da, sei der Drang zu helfen oft groß. Schwärzler rät allerdings davon ab, „sich zu nähern“. In der Regel seien die Individuen in Folge einer Kollision mit einem Fahrzeug „so schwer verletzt, dass sie sich aus eigener Kraft nicht mehr erholen können. Besonders häufig sind gebrochene Beckenknochen und Läufe sowie Lungen- und Leberrisse. In diesen Fällen ist die Jägerin beziehungsweise der Jäger zum Hegeabschuss verpflichtet, um das Tier zu erlösen.“ Am besten sei immer noch, aufmerksam und im Bereich von Waldrändern und Wiesen besonders moderat zu fahren, sagt Schwärzler. „Um einen Unfall zu vermeiden.“

Der Wolf vergangene Woche wurde auf der Autobahn angefahren, weshalb auch der Streckendienst der Betreibergesellschaft hinzugezogen wurde, wie Klaus Gspan von der Asfinag erklärt. „Unsere Mitarbeiter sichern ab, reinigen die Fahrbahn und entfernen den Kadaver. Liegt da ein totes Tier, ist das nämlich auch für nachfolgende Verkehrsteilnehmer eine Gefahr.“ An Stellen, wo es besonders häufig zu Wildunfällen kommt, hat die Asfinag Schutzzäune errichtet, „um das Wild so zu leiten, dass es nicht die Zone ungefährdet queren kann“.


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