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TT-Analyse: Die Rebellion gegen die Biedermeier

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Analyse

Von Thomas Hörmann

In den 90ern war Innsbruck klein, aber oho. Wer die Nacht zum Tag machen wollte, hatte die Qual der Wahl. Vielleicht ein bisschen feiern bei einem Rave im Hafen. Oder doch lieber zum Sommerfest in den Hofgarten? Das Afromeeting beim Eisstadion war auch noch im Angebot. Dazu kam die junge Snowboardszene, die für ein cooles Image sorgte und die Stadt belebte. Auch wirtschaftlich – so richtete Snowboard-Marktführer Burton nicht umsonst seine Europazentrale in Innsbruck ein. Snowboarder waren es auch, die das Air+Style erfanden. Fortan rockten nicht nur waghalsige Brettakrobaten, sondern auch Acts der internationalen Musikszene Winter für Winter die Bergisel-Arena. Dazu kamen unzählige Trend-Lokale für jede Tages- und Nachtzeit. Innsbruck war cool, Innsbruck war hip, Innsbruck hatte den jungen Menschen auch nach Hörsaal und Arbeit viel zu bieten. Lang ist’s her.

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Klein ist die Landeshauptstadt zwar immer noch, oho aber längst nicht mehr. Schon vor Corona hat der Niedergang der jungen Szene begonnen. Durch aufwändige Sicherheitsauflagen, Registrierkassenpflicht, Konkurse und lärmempfindliche Anrainer hat sich’s ausgefestelt, die Nachtruhe wurde vorverlegt. An den alten Glanz erinnern nur noch ein paar Nachtklubs. Und selbst die haben seit einem Jahr geschlossen.

Kein Wunder, dass sich die Jungen nach Monaten im Dauerlockdown jetzt selbst Freiräume schaffen. Am Sonnendeck, im Sowi-Areal oder auch in der Sillschlucht. Spontan, ohne kommerzielle Veranstalter, ohne Sicherheitsauflagen, ohne Konsumzwang. Mit Supermarkt-Bier zum Cent-Tarif im Rucksack rebellieren sie gegen eine Biedermeier-Stadt, die ihnen abgesehen von enormen Wohnkosten, Touristenpreisen und regelmäßigen Polizeirazzien in den verbliebenen Ausgehvierteln (Bogenmeile) nichts mehr zu bieten hat. Zeit wird’s, dass Politik und Gesellschaft die Jungen und damit die Zukunft Innsbrucks wieder ernst nehmen. Verbote und Platzsperren sind der falsche Weg.


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