Erschöpfung der Pferde ignoriert: Kutschenfahrt in Axams war Tierquälerei

Völlig erschöpfte Pferde, die eine voll besetzte Kutsche bei Hitze ziehen müssen und vom Kutscher mit brutalen Schlägen angetrieben werden: Videos dieser Szenen hatten 2018 nicht nur in Tirol für Entsetzen gesorgt. Am Dienstag wurden der Kutscher sowie der Betriebsinhaber zu Geldstrafen verurteilt.

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In Axams mussten zwei erschöpfte Pferde unter massivem Peitscheneinsatz eine vollbesetzte Touristenkutsche ziehen. Ein Wallach starb (Symbolbild).
© ALEX HALADA / AFP

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Eine Touristenkutschfahrt in Axams, bei der letztlich ein Wallach tot zusammengebrochen war, avancierte im Juni 2018 über Videoaufnahmen von Urlaubern zum internationalen Aufreger. Dabei war zu sehen, wie zwei erschöpfte Pferde an einem Sommertag unter massivem Peitscheneinsatz vorangetrieben wurden. Die Gelderländer-Zugpferde stützten sich gegenseitig und konnten nicht mehr koordiniert im Takt voranschreiten. Am Ziel angekommen, stand der Wallach noch kurz und brach dann zusammen. Tierquälerei für die Staatsanwaltschaft, da hier Pferde roh misshandelt und gequält worden seien.

Der Amtsarzt am ersten Prozesstag am Landesgericht in Richtung Inhaber und Kutscher: „Hier mussten erschöpfte Tiere eine 780-Kilo-Kutsche mit 19 Personen ziehen – macht 2300 Kilo Zuglast.“ Nach Veröffentlichung des Falls war zudem aufgekommen, dass der Kutscherei-Inhaber 2015 Pferde als Zugtiere eines Gladiatorenwagens mit blutendem Maul über einen Veranstaltungs­parcours hatte traben lassen, da eine schlecht montierte Stange gegen die Nüstern geschlagen hatte. Nach etlichen Zeugenaussagen über Rechtshilfen setzte sich der Prozess am Dienstag fort.

📽️ Video | Kutscher vor Gericht:

Multiorganversagen oder Aortenriss vermutet

Wegen der Pandemie hatte der Betriebsinhaber einige Pferde verkaufen müssen – auch den angeschlagenen Ruf machte er dafür gegenüber Richterin Verena Offer verantwortlich. Diese hörte neben letzten Zeugen vor allem Veterinärin Alexandra Ferschl als Gerichtssachverständige. Und diese ließ keinen Zweifel daran, dass unkoordiniertes Gehen und Taktverlust eindeutig auf einen Erschöpfungszustand hindeuteten. Eine Autopsie des Pferdes entfiel, da das tote Tier sofort zum Schlachthof gebracht worden war. Laut dem Co-Sachverständigen musste der Schwächezustand für den Kutscher erkennbar gewesen sein: „Mit übertriebenem Peitscheneinsatz wollte er noch zu einer Leistungserhöhung antreiben, die nicht mehr möglich war.“ SV Alexandra Ferschl vermutete beim Wallach am Ende ein Multiorganversagen oder einen Aortenriss. Auch das Geschirr der Pferde bei der Veranstaltung 2015 sei nicht „lege artis“ gewesen.

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Hinweise auf einen Schwächezustand sollte ein Kutscher erkennen. Auch die Peitsche brachte ja nichts mehr.
Veterinärin Alexandra Ferschl (Gerichtssachverständige)

Für das Gericht letztlich zweifach (nicht rechtskräftig) Tierquälerei. So war für den Kutscher erkennbar, dass die Pferde mit den Kräften am Ende waren – trotzdem hatte er ihnen weiter die volle Leistung abverlangt. Der Kutscherei-Inhaber wurde indes wegen des Vorfalls mit dem Gladiatorenwagen verurteilt, da er sich nach Bekanntwerden nicht sofort um die blutende Wunde gekümmert hatte. Strafen von 400 (Kutscher) und 4800 Euro ergingen.


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