Causa Arnautovic: Die UEFA richtet heute über den ÖFB-Star

Mit der Sorge um eine mögliche Sperre für Starstürmer Marko Arnautovic hebt das ÖFB-Team heute in Innsbruck zum morgigen Schlagerspiel der Gruppe C gegen die Niederlande in Amsterdam ab.

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Waren in diesem Moment sicher keine guten Freunde – Marko Arnautovic (M.) gab Ezgian Alioksi etwas mit auf den Weg.
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Von Alex Gruber

Seefeld – Neben schon bekannten deutschen Gästen, die an Österreichs Bundesliga-Legionären (21 an der Zahl) interessiert sind, waren gestern in der Mittags-Zoomkonferenz des ÖFB auch Medienvertreter aus Holland und England zugeschaltet. Ein Interesse, das freilich nicht nur dem Schlager gegen Holland galt, sondern der Causa Arnautovic. „Arnie“ hatte sich nach dem Treffer zum 3:1 gegen Nordmazedonien verbal ausgelassen und tags darauf entschuldigt.

Die Causa prima rief nach einer Anzeige des nordmazedonischen Verbandes die UEFA auf den Plan, die einen Ethik- und Disziplinar-Inspektor schickte, um die Sache zu untersuchen. Das hat abseits des Rasens fast einen Hauch von „CSI Bukarest“. Der ÖFB gab vor dem heutigen Abflug (11 Uhr) aus Innsbruck eine Stellungnahme gegenüber der UEFA ab und wollte sich nicht weiter dazu äußern. Eine Entscheidung der vierköpfigen Disziplinarkammer, ob Arnautovic gesperrt wird oder einsatzberechtigt ist, soll heute Nachmittag fallen. Neben einer Einstellung des Verfahrens oder Sperre ist auch eine Verwarnung möglich.

Fakt ist: Arnautovic ist im breiten und ausgeglichenen Kader dennoch einer wie keiner. Denn der China-Legionär, der zuletzt beim Test gegen die Slowakei (0:0) und eben als Torschütze gegen Nordmazedonien als Joker brillierte, ist in Sachen Tempo, körperlicher Präsenz, Technik und Spielwitz unerreicht. Eine Sperre würde die rot-weiß-rote Auswahl schwer treffen.

„Das wäre für uns ein extrem herber Verlust. Wir hoffen das Beste, wir brauchen Marko sehr“, gestand Innenverteidiger Martin Hinteregger und nannte in der Vorwärtsbewegung sinngemäß Arnautovic, Sabitzer und Alaba als die Top drei.

Den Gang in die nordmazedonische Kabine habe Arnautovic laut seinem Widersacher Ezgjan Alioski, der in der Schweiz aufgewachsen ist und Deutsch spricht, mit einer Entschuldigung angetreten. Dass die UEFA dennoch aus dem Video eine verbale Entgleisung und damit verbundene Sperre abliest, scheint nicht undenkbar.

Dass einer wie Marko Arnautovic im ÖFB-Kader für Torgefahr auf einzigartig hohem Niveau sorgen kann, betonte gestern auch Marcel Sabitzer, der die Causa aber nicht näher kommentieren wollte. Dafür sprach Hinteregger, ohne Dinge verharmlosen zu wollen, vielen Kickern vermutlich aus der Seele: „Ich bin auch kein Kind von Traurigkeit und bekomme es auch oft zurück. Nach dem Spiel gibt man sich die Hand und dann ist es okay.“ Im Fall von Arnautovic wird sich heute weisen, ob er bei allen Emotionen zu heiß gelaufen ist.

Kommentar: Auch die Lippenleser tun weh

Von Alex Gruber

Mensch, man würde gerne hauptsächlich darüber reden, wie die Österreicher morgen den Holländern nach langer Zeit wieder einmal spielerisch wehtun könnten. Stattdessen rief der Arnautovic-Jubel beim 3:1 gegen Nordmazedonien die Lippenleser und einen Ethik- und Disziplinar-Ermittler der UEFA auf den Plan. Denn der nordmazedonische Verband forderte wegen eines „nationalistischen Ausbruchs“ die „härteste Strafe“ ein, obwohl Kontrahent Ezgjan Alioski zu Protokoll gegeben haben soll, dass sich „Arnie“ entschuldigt und er wegen der Lautstärke in Bukarest den Wortlaut gar nicht (genau) verstanden habe. Alioski, nordmazedonischer Leeds-Legionär, der sich selbst an Eins-gegen-Eins-Duellen verbal wie physisch auflädt, ginge auch schwer als Opfer und trauriger Typ mit dem Taschentuch durch.

Arnautovic’ Entschuldigung war zu entnehmen, dass sein Ausbruch sicher nicht (ganz) astrein war. Wer jemals selbst, nicht zwangsläufig als Heißsporn und egal in welcher Liga, am Rasen stand, weiß, wie so ein Trash-Talk in der Hitze des Gefechts läuft. In der Regel ist so ein verbaler Schlagabtausch mit einem Shakehands nach Schlusspfiff beendet. Was in der Kabine passiert, bleibt in der Kabine. Am Platz gilt das Gleiche. Oft lachte man, zumindest (früher) im Unterhaus, bei einem gemeinsamen Glaserl danach. Um das nicht falsch zu verstehen: Es gibt bei allen Provokationen und aufgestauter Energie (verbale) Grenzen. Es gibt aber auch eine Ebene unter Sportlern, die fern von vermeintlich gut meinenden Aufdeckern trotz kurzfristig unüberlegten Anfeindungen vermutlich um einiges ehrlicher ist.


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