Ein großes Straßenfest im Zeichen der Solidarität

Mit der wiederbelebten „Fête de la Musique“ verabschieden sich die „Wochenenden für Moria“ am Sonntag in eine sommerliche Nachdenkpause.

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Die Tirolerin Gina Disobey gewann 2021 den Protestsongcontest. Am Sonntag tritt sie bei der Innsbrucker „Fête de la Musique“ auf.
© FM4

Innsbruck – Seit 26 Wochenenden ruft ein Protestcamp auf dem Vorplatz des Tiroler Landestheaters die menschenunwürdige Situation Geflüchteter an den EU-Außengrenzen in Erinnerung. Die Aktion zog inzwischen weite Kreise. Nun haben sich die VeranstalterInnen eine Nachdenkpause verordnet. „Unser Protest geht weiter, aber wir wollen auch neue Formen finden, um unser Anliegen zu vermitteln“, sagt David Troppmair von der Initiative SOS Balkanroute. Frauke Schacht vom Verein Fluchtpunkt, die seit dem zweiten Innsbrucker „Wochenende für Moria“ vor dem Landestheater campiert, pflichtet ihm bei: „Wir weichen von unserer Forderung, wenigstens 100 in bosnischen oder griechischen Lagern gestrandete Familien in Österreich aufzunehmen, nicht ab. Aber es war nie unsere Intention, ein Dauerprotestcamp zu errichten. Wir wollen den Sommer dafür nützen, die Werkzeuge unseres Protests zu transformieren und neue Wege zu suchen, um den Skandal, der vor unserer Haustür passiert, bewusst zu machen“, sagt sie.

Zum vorläufigen Abschluss der Wochenenden für Moria wird am kommenden Sonntag, dem internationalen Weltflüchtlingstag, die „Fête de la Musique“ wiederbelebt. Der „internationale Tag der lebendigen Musik“ wurde in Innsbruck bis 2014 auf Initiative des Französischen Kulturinstituts als großes Straßenmusikfest gefeiert. Zuletzt war Mesut Onay, inzwischen Gemeinderat der Alternativen Liste, künstlerischer Leiter der „Fête“. Onay ist nun auch Koordinator des neuen Konzertreigens. Der soll künftig wieder jedes Jahr stattfinden. „Als musikalische Kundgebung mit klarer gesellschaftspolitischer Stoßrichtung“, sagt er. Das diesjährige Motto ist „Das Schweigen brechen“. „Durch die Solidarisierung von Kulturschaffenden und AktivistInnen soll deren wichtiges Anliegen aus der Blase auf die Straße getragen werden“, sagt Onay. Unterstützt wird die „Fête de la Musique“ auch vom Verein Kulturlager, der zuletzt auch den Kulturwandertag veranstaltet hat.

Angesetzt sind Konzerte mit 15 EinzelkünstlerInnen und Bands sowie mehreren DJs an fünf Spielorten in ganz Innsbruck. Der Konzertreigen beginnt um 16 Uhr. Die Auftakt- und Schlussveranstaltung wird auf dem Marktplatz stattfinden. Dort wird auch das Protestcamp seine Zelte aufschlagen. Am Landestheatervorplatz findet zeitgleich ein Rad-Event statt. Weitere Spielorte der „Fête“ sind der Durchgang am Kapuzinerplatz, die Altstadt, der Bischof-Stecher-Platz am Innrain und der Waltherpark. Auf der Maria-Theresien-Straße steht zudem ein Flügel für spielfreudige Passanten bereit.

„Musikalisch schlagen wir einen Bogen von Klassik über Pop bis Techno“, sagt Mesut Onay. Angekündigt haben sich unter anderem Gina Disobey, die mit ihrem Song „Seeking Asylum Is Not A Crime“ 2021 den FM4-Protestsongcontest gewann, die Lechtaler Mundart-Poper Bluatschink, Agnieszka Kulowska und Clara Zschocke vom Tiroler Symphonieorcherster Innsbruck sowie die Bands Gesellschaftshirnfick, Meschuggetrio und Tiltanga. „Die ‚Fête de la Musique‘ ist eine ehrenamtliche Initative“, sagt Onay. Sie wird ohne öffentliche Förderungen realisiert. (jole)

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