Märchenhaft versöhnliches Meisterkonzert in Innsbruck

Klavier-Lehrstunde auf Topniveau mit den Schwestern Labèque beim Meisterkonzert.

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Hohe Spielkunst zu vier Händen am Flügel. Katia (l.) und Marielle Labèque gastierten in Innsbruck.
© Meisterkonzerte/Scheunpflug

Innsbruck – Endlich wieder ein Meisterkonzert in Innsbruck, das erst zweite und auch schon letzte in dieser Saison mit ihren klaffenden, beklagenswerten Corona-Lücken. Katia und Marielle Labèque, Ausnahmepianistinnen aus Frankreich, geben sich im Congress die Ehre.

Die beiden sind eine Bank, schon öfter haben sie das Tiroler Publikum in ihren Bann gezogen. So wird das Doppel-Gastspiel Dienstagabend (zwei Konzerte in Serie) erwartungsgemäß zur Lehrstunde in der hohen Kunst des Klavierspiels zu vier Händen. Das Geschwisterpaar musiziert wie eins, ganz ohne große Gesten oder Theatralik, mit Präzision und wachem Ohr für das Vis-à-Vis.

Das Programm ist eines der Kontraste, überbrückt es doch zwei Jahrhunderte der Musikgeschichte. Bei Franz Schuberts f-Moll-Fantasie werken die Labèques Seite an Seite an nur einem Flügel. Es ist ein träumerisches, melancholisches, verspieltes Werk, mit viel Raum für leise Töne.

Einen starken Kontrast bietet Teil zwei des Abends mit Musik des in Tirol ebenfalls bestens bekannten Zeitgenossen Philip Glass. Jean Cocteaus Roman „Les enfants terribles“ hat Glass 1996 als Kammeroper vertont. Eine Suite daraus wurde jüngst von Michael Riesman für die beiden Klaviere der Schwestern Labèque bearbeitet (und schon als CD veröffentlicht).

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Glass’ unverkennbarer Stil, seine Notenkaskaden und beharrlichen, dramatisch zugespitzten Motivwiederholungen sind sicher nicht jederfraus/jedermanns Sache. Doch sie taugen hervorragend, um Stimmung zu vermitteln. Bei „Les enfants terribles“ steuert ein Rausch der Gefühle unabwendbar dem Untergang entgegen.

Das Publikum erklatscht sich beharrlich eine Zugabe in Form von Maurice Ravels „Le jardin féerique“: ein bezaubernder Ausflug in den Märchengarten der Musik als versöhnlicher Abschluss eines schwierigen Meisterkonzert-Jahres. (mark)


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