Darknet bringt Schulfreunde aus dem Tiroler Unterland in die Zelle

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Über das Darknet bestellten zwei junge Tiroler über 4,2 Kilogramm Amphetamine und flogen damit auf. 15 Jahre Haft drohten.
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Seit ihrem siebten Lebensjahr waren zwei heute 28- und 27-jährige Unterländer dicke Freunde. Zusammen in der gleichen Siedlung aufgewachsen, vertrauten sie sich gegenseitig und beschritten zuletzt auch krumme Wege. Einte doch beide ein eher überschaubarer beruflicher Erfolg. Für den Jüngeren hatte es zum Schluss trotz bester Ausbildung gar nur noch zur Notstandshilfe gereicht. Zusätzliche Einnahmequelle: Online-Poker. 10.000 hatte dies im Jahr 2020 eingebracht – offenbar zu wenig.

Als sich dann ein Drogendealer in einem Lokal bei ihm beklagte, dass er durch den Lockdown kaum mehr Stoff bekomme, sah der 27-Jährige seine Chance. Im Gegensatz zum Dealer fand er sich im Internet-Darknet, in dem auch alles Illegale angeboten wird, nämlich gut zurecht. Und so sollten kiloschwere Amphetaminlieferungen aus Holland künftig über ihn laufen. Letztlich ein Poker mit der Freiheit. Der Online-Vertrieb lief nämlich nur kurz reibungslos.

Ließ der 27-Jährige die Pakete doch unter leicht veränderten Namen an die Adresse des Schulfreundes schicken. Als dieser ihm dann einst mitgeteilte, dass er gerade beim Essen sei und keine Zeit zur Paketannahme habe, schrie der 27-Jährige nur noch, „ob er denn wahnsinnig ist?“. Die Nichtannahme wirkte nämlich fatal. So brachte der Zusteller das Ein-Kilo-Amphetamin-Paket umgehend an das Post-Verteilerzentrum zurück. Als die Freunde entnervt dort eingetroffen waren, befand sich die brisante Lieferung schon am Rückweg nach Deutschland – so schnell kann die Post sein.

Deutsche Kriminalbeamte hatten das Paket letztlich geöffnet und mussten dem Tiroler LKA nur noch die Zustelladresse durchgeben. Das Zustellgeschäft ist ohnehin unsicher. So konnte das Duo von bestellten 4,2 Kilogramm nur 2,5 in den Verkehr bringen. Für eine Strafandrohung von 15 Jahren Haft hat es trotzdem gelangt.

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Während sich der 27-Jährige gestern am Landesgericht umfassend geständig gezeigt hatte, versuchte der 28-Jährige Richterin Helga Moser zu erklären, dass er gar nicht gewusst hätte, was sich in den Päckchen befindet. Für völlig legale Übernahmen und Fahrten wollte er da vom Freund 4000 Euro bekommen haben. Richterin Moser honorierte darauf das Geständnis mit nicht rechtskräftigen vier Jahren Haft, viereinhalb waren es für den Geschichtenerzähler. (fell)


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