Tiroler Bildhauer Hellmut Bruch: „Das Dunkle ist mir nicht hell genug“

Für so etwas wie Ruhestand hat der Haller Bildhauer Hellmut Bruch, der heute 85 wird, keine Zeit.

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Hellmut Bruch im Garten seines Haller Hauses vor einer seiner monumentalen Arbeiten aus Edelstahl.
© Rudy De Moor

Von Edith Schlocker

Hall – Er sei voller Lebensmut, ja Lebensübermut, sagt der Haller Bildhauer Hellmut Bruch, der heute seinen 85. Geburtstag feiert. Und zum Feiern kaum Zeit hat, bereitet er derzeit doch eine große Retrospektive über sein Werk im Schwazer Rabalderhaus vor, die am 8. Juli eröffnet werden wird und zu der auch ein Buch mit dem Titel „Licht und Unendlichkeit“ erscheint. Von einigen Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Kattowitz, Ingolstadt und Ibiza ganz abgesehen.

Denn an so etwas wie Ruhestand verschwendet Hellmut Bruch keinen Gedanken. Konnte sich der gelernte Automechaniker doch erst seit der Zeit, in der er als dieser in Rente ist, voll und ganz seiner Kunst widmen. Um in mehr als zwei Jahrzehnten ein in seiner Konsequenz außergewöhnliches Werk zu schaffen, das ganz im minimalistisch Ungegenständlichen verhaftet ist. Im Spiel mit klaren Strukturen, geometrischen Ordnungen, mathematischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten wie etwa der Fibonacci-Progression. Fußt Bruchs Art, Kunst zu denken, doch nicht primär im Ästhetischen, sondern im existenziell Philosophischen. Kreisend um die ewige Frage, woher kommen, wohin gehen wir. Ohne darauf eine Antwort zu wissen.

Das Schlüsselerlebnis auf seinem Weg als Künstler sei eine große Donald-Judd-Ausstellung 1970 in der Galerie im Taxispalais gewesen, so Bruch. Dessen Gabe, mit praktisch nichts das Wesentliche auszudrücken. Nicht der, der er heute ist, wäre er allerdings ohne die Bekanntschaft mit Heinz Gappmayr geworden, dem Großmeister des Konkreten mit Tiroler Wurzeln. Er hätte ihm den Besuch einer Kunstakademie ersetzt, ist Bruch fest überzeugt. Habe ihm das Tor zur Kunst geöffnet, Josef Lackner jenes zur Architektur – von ihm ließ er sich auch das Haus bauen, in dem er noch heute lebt – und Christian Bartenbach das zum Licht. Den drei immer wieder variierten Konstanten der Bruch’schen Kunst.

Umgesetzt bevorzugt in Edelstahl und Acrylglas. Aus Letzterem ist auch der Zyklus, an dem Bruch gerade arbeitet. Kreisend um „Unendlichkeit“, einem „haarigen Thema“, wie der Künstler meint. Der aber auch das ganz große Format nicht scheut, wie eine mehr als sechs Meter hohe, für den Außenraum konzipierte Arbeit beweist, die er gerade fertiggestellt hat. Als Optimismus suggerierender, vom Intellekt gesteuerter Kontrapunkt zur umgebenden Natur, die für Bruch letztlich unbegreiflich bleibt. Aber schließlich gebe es keinen Kopf ohne Bauch und umgekehrt.

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Vor drei Jahren belohnte das offizielle Tirol Bruch mit dem Großen Landespreis für Kunst. Und auf die Frage, warum er sich seit Jahren ausschließlich in Weiß kleidet, gibt es eine einfache Antwort. Das Dunkle sei ihm einfach nicht hell genug und basta.


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