Gedenktafel für Attila: Kundls Bahnhofskater wird zur Legende

Er liebte Züge, die Zuggäste ihn. Nun erhielt Kater Attila eine eigene Gedenktafel. Ein ÖBB-Unikum.

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Objektbetreuer Dietmar Beiler und Liegenschaftsmanager Hans-Jörgl Paul (r.) montierten die Gedenktafel.
© Hrdina

Kundl – Frische Kerzen brennen, Figuren zieren die Fensterbank, Abschiedsbriefe und „Parte“ hängen auch sechs Wochen nach dem Ableben des „Kundler Bahnhofskaters“ Attila noch am Fenster des ehemaligen Kiosks (die TT berichtete). „Vielen Menschen war Attila offenbar wirklich wichtig“, erklärt ÖBB-Objektbetreuer Dietmar Beiler, weshalb man die „Gedenkstätte“ nicht entfernt, wenn sie auch nicht der Hausordnung entspricht. „Ich habe ihn täglich gestreichelt, so wie viele andere“, kommentiert eine Dame im Vorbeigehen. „Er wird nie in Vergessenheit geraten.“

Dafür sorgen auch die ÖBB. Seit gestern buhlt am Kiosk eine Gedenktafel um Aufmerksamkeit. „Vielen Dank für deine treuen Dienste“, heißt’s über dem Bild des rothaarigen Tigers, der stets am Bahnsteig „wachte“ und Pendler begrüßte. „Ich glaube, das gibt es in keinem anderen Bahnhof Österreichs“, freut sich Bahnhofs- und Liegenschaftsmanager Hans-Jörg Paul. Immerhin: Das Anbringen der einzigartigen Tafel in einem der sonst uniformen Bahnhöfe musste von oberster Stelle in Wien abgesegnet werden.

„Attila war berühmter als der Bürgermeister“, scherzt ein Herr am Bahnsteig. Jedenfalls war er umtriebig, wie „Frauchen“ Anja K. erzählt. Im März 2010 wurde er auf einem Brandenberger Bauernhof geboren. Mit drei Monaten nahm K. ihn und Schwester Happy zu sich nach Kundl. „Happy bewegt sich höchstens ums Haus, Attila wagte sich schon früh immer weiter auf neues Territorium vor.“ So entdeckte der damals junge Kater den Bahnhofskiosk, wo er bis zur Schließung 2015 als Stammgast galt. Es sei vorgekommen, dass ihn Kundler für einen Streuner hielten und mit nach Hause nahmen – nicht für lange allerdings. „Nichts konnte ihn von seinem geliebten Bahnhof fernhalten. Attila hat sich ein Leben in Freiheit ausgesucht und es genossen“, wird K. ihren Strawanzer – auch ohne Gedenktafel – nie vergessen. (jazz, fh)


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