Kritik der Grünen am Umgang mit Wolf: Alm-Schafe werden als „Buffet“ gehalten

Tiroler Grüne üben scharfe Kritik an Landwirtschaftsfunktionären und Schafbauern.

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Innsbruck – Der grüne Landwirtschaftssprecher LA Georg Kaltschmid begrüßt den vom „Österreichzentrum Bär, Wolf und Luchs“ präsentierten bundesweiten Wolfsmanagementplan. Darin enthalten ist unter anderem ein eng definiertes Ampelsystem, das als Vorgabe dient, wie mit Wölfen umzugehen ist, die TT hat berichtet. „Dieser Plan bringt Klarheit und wird die Debatte verändern. Wer jetzt noch mit vorschnellen Abschussfantasien hausiert, hält die Menschen zum Narren“, so Kaltschmid. An dem Wolfsmanagementplan haben unter anderem der WWF und die Landwirtschaftskammer mitgewirkt.

Erinnert wird in dem Wolfsmanagementplan außerdem auch an die europarechtliche Situation, an der sich in Bezug auf den Schutz des Wolfes nicht so schnell etwas ändern dürfte. Kaltschmid verweist darauf, dass es der damalige ÖVP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter war, der die Richtlinie ausverhandelt und als Erfolg gewertet habe.

Nach Kritik von Landwirtschaftsfunktionären an den Tiroler Grünen geht der grüne Landwirtschaftssprecher Kaltschmid jetzt in die Gegenoffensive. „Das größte Problem der Schafbauern sind jene, die ihnen Sand in die Augen streuen.“ Die Voraussetzungen der Almwirtschaft hätten sich von „Almauftrieb bis Almabtrieb“ kontinuierlich verschlechtert. „Das ist die bittere Realität, mit der viele Bäuerinnen und Bauern konfrontiert sind und für die der Wolf jetzt herhalten muss“, so Kaltschmid. „Wenn die Landwirtschaftsfunktionäre auch nur einen Bruchteil der Energie, die sie gegen den Wolf richten, aufwenden würden, um sich für faire Fleischpreise und gute Bedingungen einzusetzen, dann wäre den Schaf- und Ziegenbauern wirklich geholfen“, meint der grüne Landwirtschaftssprecher.

Das Leid der Bauern über jedes gerissene Schaf könne er voll und ganz verstehen. „Aber dass die Bauern ihre Schafe weiterhin als Buffet am Berg halten, statt sie mit einem Hirten, Hirtenhunden und Nachtpferch zu beschützen, das muss mir einmal einer erklären.“ Nur noch eine von fünf Schafalmen werde in Tirol durch einen Hirten betreut, 70.000 Schafe jedes Jahr auf Almen geführt. „Viele dieser Schafe sind am Berg für Wochen auf sich allein gestellt. Sie grasen an den falschen Stellen und stürzen zum Teil ab, weil sie sich versteigen“, sagt Kaltschmid.

„Worüber wir diskutieren sollten, ist eine gezielte Weideführung. Denn wenn die Schafe an der richtigen Stelle eingesetzt werden, tragen sie nicht nur zum Erhalt des Landschaftsbildes bei, sondern festigen den Boden und verhindern damit Muren und andere Naturkatastrophen und sind geschützt vor großen Beutegreifern.“ (np)


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