Kein ÖFB-Training in Wembley, Abschlusseinheit in Seefeld

Um den Rasen im Wembley-Stadion zu schonen, hat die UEFA beiden Teams verboten, ihr Abschlusstraining dort abzuhalten. Die Österreicher trainieren heben nun erst am Freitagnachmittag aus Innsbruck in Richtung Großbritannien ab.

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Marko Arnautovic, Sasa Kalajdzic, Florian Grillitsch und Sportwissenschafter Gerhard Zallinger beim Training des ÖFB-Teams in Seefeld.
© ROBERT JAEGER

Seefeld/London – Österreichs Fußball-Nationalteam hat seine Planung für den Vortag des EM-Achtelfinales gegen Italien umstellen müssen. Um den Rasen im Wembley-Stadion in London für den weiteren Turnierverlauf zu schonen, hat die UEFA beiden Teams verboten, ihr Abschlusstraining dort abzuhalten. Die Österreicher trainieren nun am Freitag (11 Uhr) in ihrem EM-Quartier in Seefeld und heben erst am Nachmittag aus Innsbruck in Richtung Großbritannien ab. Das gab der ÖFB am Donnerstag bekannt.

„Wir hatten alles anders geplant. Wir haben uns gefreut auf das Abschlusstraining im Wembley-Stadion, aber wir nehmen es, wie es kommt", sagte ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel. „Wir haben im Gegensatz zu den Italienern ja schon Erfahrung mit verschobenen Abschlusstrainings." Beide Einheiten vor den Gruppenspielen in Bukarest waren wegen starker Niederschläge kurzfristig nicht im EM-Stadion möglich – das ÖFB-Team gewann die jeweils folgenden Partien gegen Nordmazedonien (3:1) und die Ukraine (1:0).

Man hätte die Rahmenbedingungen im Wembley-Stadion laut Schöttel gerne schon am Vortag des Spiels kennengelernt. „Das wird für uns aber kein großes Problem sein", meinte der Ex-Internationale. „Wir sind definitiv im Vorteil, weil die Italiener diese Situation noch gar nicht kennen, weil sie bisher nur daheim (in Rom/Anm.) gespielt haben." Die Italiener wollen ihr Abschlusstraining nun ebenfalls in ihrem Trainingszentrum in Coverciano bei Florenz absolvieren und erst danach nach London reisen.

Italien-Spiel laut Schöttel kein „Theaterstück"

Italien geht als haushoher Favorit ins EM-Achtelfinale gegen Österreich. Für einen Aufstieg der Österreicher am Samstag in London zahlen die meisten Wettbüros mehr als das Vierfache des Einsatzes. Für Peter Schöttel macht die Unvorhersehbarkeit des Sports, des Fußballs im Speziellen, aber auch dessen Reiz aus. „Das ist anders als bei einem Theaterstück, wo du weißt, was passiert", erklärte der ÖFB-Sportdirektor am Donnerstag vor dem Training in Seefeld.

„Bei so einer Sportveranstaltung kann viel passieren. Da kann es am Anfang einen Ausschluss geben, da kann es eine schlechte Tagesverfassung beim Gegner geben, eine überragende bei uns", meinte Schöttel. „Fakt ist, dass die Burschen sehr selbstbewusst sind." Das habe er bereits nach dem Aufstieg am Montag im letzten EM-Gruppenspiel gegen die Ukraine gemerkt.

Durch das 1:0 in Bukarest buchten die Österreicher ihr Achtelfinal-Ticket als Gruppenzweiter. Auch die Ukrainer kamen als einer der vier besten Gruppendritten noch weiter und haben nun mit Schweden eine vermutlich leichtere Aufgabe als das ÖFB-Team. „Wir haben natürlich bemerkt, dass die Ukraine jetzt gegen Schweden spielt – wobei die auch richtig gut sind bei dem Turnier", betonte Schöttel. Am Mittwoch mussten allerdings noch mehrere Gruppendritte zittern. Schöttel: „Wir sind froh, dass wir uns das erspart haben, und uns in Ruhe auf das Achtelfinale vorbereiten können."

Die Fakten seien laut dem Sportchef klar. „Italien ist Favorit, wir haben im letzten Spiel aber gezeigt, dass wir bereit sind für die Europameisterschaft. Wir fahren ganz sicher hin mit dem Ziel, ins Viertelfinale aufzusteigen." Beim bisher letzten Länderspiel-Duell mit den Italienern im August 2008 stand kein Spieler aus dem aktuellen ÖFB-Kader im Aufgebot. Franco Fodas neuer Co-Trainer Jürgen Säumel spielte beim 2:2 in Nizza aber durch.

Neuhold: „Wir waren überrascht"

Der ÖFB war laut eigenen Angaben erst am Vormittag von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) über das Trainingsverbot in Kenntnis gesetzt worden. „Wir waren überrascht", sagte Geschäftsführer Bernhard Neuhold. Man hätte der UEFA danach angeboten, zur Schonung des Platzes in Wembley im Training auf beide Strafräume zu verzichten. „Uns ist aber mitgeteilt worden, dass sie im Sinne des großen Ganzen, sprich vier weiteren Partien, die im Turnier nach unserer noch im Wembley-Stadion stattfinden, hier kein Risiko gehen wollen."

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England trifft im legendären WM-Finalstadion von 1966 am Dienstag im Achtelfinale auf Deutschland. Dazu sind in der zweiten Juli-Woche dort auch die beiden Halbfinali und das Finale geplant.

Das von der UEFA angebotene Ausweichstadion für das ÖFB-Abschlusstraining in London, das „Hive Stadium", wäre laut Neuhold zwischen 45 und 60 Bus-Minuten vom Teamhotel entfernt gewesen. Das Risiko, einen Tag vor Österreichs erstem EM-Achtelfinale mehr als zwei Stunden im Bus zu sitzen, erschien zu groß. Teamchef Franco Foda und Schöttel hätten sich laut Neuhold nach Rücksprache mit dem Spielerrat daher für ein Abschlusstraining noch in Tirol entschieden.

Für das Aktivieren am Spieltag sei man laut Neuhold noch in Gesprächen mit der UEFA, einen näheren Trainingsplatz als das „Hive" zur Verfügung gestellt zu bekommen. Man wolle die lange Buszeit nicht in Kauf nehmen, „weil die sportliche Führung der Meinung ist, dass es der allgemeinen Frische der Spieler schadet". (APA)

Grünes Licht für Hinteregger, Lazaro fehlt gegen Italien

Österreichs Fußball-Nationalteam kann im EM-Achtelfinale am Samstag (21 Uhr/live ORF 1) in London gegen Italien aller Voraussicht nach auf Martin Hinteregger zurückgreifen. Der Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt trainierte zwar auch am Donnerstag, dem Tag vor dem Abflug nach London, in Seefeld nicht mit der Mannschaft. ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel gab aber Grünes Licht: „Es wird sich definitiv ausgehen, dass er fit ist für den Spieltag."

Hinteregger hatte sich im entscheidenden Gruppenspiel gegen die Ukraine (1:0) einen Bluterguss im Adduktorenbereich zugezogen und hat seither kein Mannschaftstraining absolviert. „In Absprache mit der medizinischen Abteilung ist es so, dass es gut ausschaut", sagte Schöttel. Im medienöffentlichen Teil des Trainings am Donnerstagnachmittag trabte der 29-Jährige in Laufschuhen um den Platz.

Auch Florian Grillitsch, gegen die Ukraine zum Spieler des Spiels gewählt, trainierte wie am Vortag erneut nicht mit der Mannschaft, sondern absolvierte mit ÖFB-Sportwissenschafter Gerhard Zallinger ein individuelles Programm. Den Mittelfeld-Strategen sollen leichte Adduktorenprobleme plagen, der ÖFB sprach von individueller Belastungssteuerung. Schöttel gab Entwarnung: „Es sind alle fit. Wichtig ist nicht heute, sondern am Samstag."

Keine Option ist Valentino Lazaro. Der Flügelspieler hatte sich bei einem Kurzeinsatz im zweiten Gruppenspiel gegen die Niederlande (0:2) eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen und hat seither kein Teamtraining absolviert. „Bei Tino geht es sich definitiv nicht aus", bestätigte Schöttel vor dem Italien-Spiel. „Er ist noch nicht so weit, er trainiert auch nicht mit der Mannschaft." Stattdessen stehen täglich Behandlungen auf dem Programm.


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