Sloweniens Weg zur Unabhängigkeit: Nach zehn Tagen war es überstanden

Serbiens Präsident Milosevic ließ Slowenien ziehen, aber nur Slowenien. Er geht zu Plan B über: „alle Serben in einem Land“ oder „Groß-Serbien“.

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Bundesheer-Panzer vor dem Karawankentunnel (6. Juli 1991).
© APA/Eggenberger

Ljubljana – Ende Juni 1991 kehrt erstmals nach 1945 der Krieg nach Europa zurück. Jugoslawische Panzer rollen gegen das als abtrünnig betrachtete Slowenien. Es war der Auftakt zur eigentlichen Katastrophe im früheren Vielvölkerstaat.

Als sich am 25. Juni 1991 die jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien in feierlichen Parlamentsakten für unabhängig erklären, freuen sich die Menschen in den beiden neuen Ländern. Das lange Tauziehen um eine wirkliche Reform des sozialistischen Jugoslawiens, das ständige Gefühl, von der Führung in der jugoslawischen und serbischen Hauptstadt Belgrad gegängelt, übervorteilt und unterdrückt zu werden, all das scheint vorbei zu sein. In Slowenien ist man stolz darauf, die Unabhängigkeit erreicht zu haben. Bei einer Volksabstimmung im Dezember 1990 hatten 88 Prozent der Bürger für die Eigenstaatlichkeit votiert.

Das ist für Belgrad nicht hinnehmbar. Dort bestimmt längst der Präsident der serbischen Teilrepublik, Slobodan Milosevic, das Geschehen auf Bundesebene. Und so rücken die Panzer der mächtigen Jugoslawischen Volksarmee (JNA) gegen strategische Punkte in Slowenien vor. Österreich macht mobil, um die Grenzen abzusichern.

Krieg – nur wenige Meter von Österreich entfernt.
© APA/Foto Lohr

In Slowenien weicht die Freude dem Schock, dann beginnt der Widerstand. Man hatte für den Tag X Vorkehrungen getroffen. Die zur JNA gehörige, aber auf Republiksebene organisierte Territorialverteidigung (TO) hatte man bereits zur eigenen Miliz ausgebaut. Diese schneidet die JNA-Kasernen von Elektrizität und Wasserversorgung ab. Die Zufahrtswege werden mit requirierten Fahrzeugen blockiert. JNA-Panzer versuchten immer wieder, sich Wege durch die Sperren zu bahnen. Bilder von zerquetschten Fahrzeugen gehen um die Welt.

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Soldatenmütter demonstrieren für die Entlassung ihrer Söhne aus der JNA. Slowenischer Verteidigungsminister ist damals übrigens Janez Jansa – der derzeitige Ministerpräsident (siehe oben).

Letztlich verläuft der Krieg der Slowenen relativ glimpflich. Auf der JNA-Seite sterben 44, auf der slowenischen 18 Menschen. Auch zwölf Ausländer, unter ihnen zwei österreichische Journalisten, kommen ums Leben.

Auf der kroatischen Insel Brijuni wird am 7. Juli mit einer Erklärung der 10-Tage-Krieg in Slowenien beendet. Die JNA zieht sich in die Kasernen zurück, im Oktober verlässt sie das Land. Milosevic lässt die nördlichste Republik ziehen und geht zu Plan B über: „alle Serben in einem Land“ oder „Groß-Serbien“. In Slowenien spielt die serbische Volksgruppe keine Rolle. Damit bleiben dem Land die mörderischen Kriege, die in Kroatien und Bosnien-Herzegowina mehr als 100.000 Menschenleben kosten, erspart. (TT, dpa)


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