Tiroler Kinder- und Jugendanwaltschaft krankt an Personalnot

Zwei Planstellen für die Arbeit für 130.000 Kinder: Seit Jahren klagt Tirols Kinder- und Jugendanwältin über Personalknappheit. Vergeblich.

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In vielen Fällen ist bei Kindern und Jugendlichen Rat und Tat angesagt. Das ist personalintensiv.
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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Es ist nicht das erste Mal, dass Elisabeth Harasser nach Hilfe ruft. Und es wäre nicht das erste Mal, dass die Kinder- und Jugendanwältin im Landhaus ungehört bleibt. Über viele Jahre hat Harasser das Land um eine personelle Aufstockung ihrer Einrichtung gebeten. Bis dato vergeblich. Die Ausnahme bildete eine kinderanwaltliche Vertrauensperson im Ausmaß von 30 Wochenstunden. Ansonsten ist es seit dem Jahre 1995 bei zwei Planstellen (Harasser miteingeschlossen; zusätzlich zwei Sekretariatsposten zu je 20 Stunden) geblieben.

Blickt man beispielsweise auf die Homepage des Salzburger Pendants, könnte Harasser wohl der Neid fressen. Dort gibt es sogar einen eigenen Posten für die Öffentlichkeitsarbeit. In Tirol hingegen muss Harasser die Anwaltschaft in Innsbruck sogar im Falle von Krankenständen stundenweise schließen. Eine prekäre Situation angesichts steigender Kontaktaufnahmen ihrer „Klienten“, also der rund 130.000 Kinder und Jugendlichen im Land. Hinzu kommt, dass die Fälle laut Harasser immer komplizierter werden. Auch Corona trägt dazu bei. Zu den Informationen, Beratungen und Hilfestellungen kommt noch die tagtägliche Lobbyarbeit der Anwaltschaft für die Interessen der Kinder und Jugendlichen.

Die Geduld Harassers scheint nun zu Ende. In einem offenen Brief an alle Landtagsmitglieder spricht sie Tacheles. Auslöser dürfte die Aktuelle Stunde der letzten Landtagssitzung sein. Dort wurde aus allen Polit-Reihen vollmundig bekundet, dass Kinder und Jugendliche insbesondere im Zuge der Corona-Krise mehr Lobby und Unterstützung benötigen würden. Diese würde Harasser mit ihrem Team gerne noch viel effizienter wahrnehmen, schreibt sie, das sei aber „mit der vorhandenen personellen Ausstattung nicht möglich“. Vielmehr steige der Frust. Auch, weil in anderen Landhaus-Abteilungen regelmäßig neue Planstellen geschaffen würden: „Am finanziellen Aufwand allein kann es also nicht liegen.“

Dringlichkeitsantrag der Liste Fritz

Für Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider sind diese Zustände nicht länger tragbar. Sie fordert in einem Dringlichkeitsantrag für den Juli-Landtag die schwarz-grüne Landesregierung auf, die Kinderanwaltschaft um einen Posten aufzustocken: „Die Arbeit mit und für junge Menschen darf etwas kosten – Sonntagsreden sind zu wenig.“ Ob sich was bewegt? Landtagsvizepräsidentin Stephanie Jicha (Grüne) kündigt gegenüber der TT an, sich mit der ÖVP diesbezüglich dafür einzusetzen.

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Harasser selbst war gestern urlaubsbedingt nicht zu erreichen.


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