Wenn eigene Daten Gold wert sind

Gemeinden wissen mehr, als sie glauben. Wie sie ihre Daten nutzbar machen, zeigt ein Tiroler Pilotprojekt.

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Zum Abschluss des Projekts "Digitaler Zukunftsraum" übergibt FH-Rektor Mario Döller (2. v. l.) die Projektunterlagen an BM Elisabeth Blanik, Landesrat Toni Mattle und Planungsverbands-Obmann Josef Mair (r.).
© Catharina Oblasser

Von Catharina Oblasser

Kufstein, Lienz – Ein Blick in die nahe Zukunft: Auf dem Weg in die Innenstadt weiß der Autofahrer nach einem Blick auf seine App schon im Vorhinein, ob es freie Parkplätze gibt und wenn ja, wo diese sind. Noch stressfreier geht es kaum. Oder: Wenn der Schnee meterhoch liegt, zeigt eine App dem Räumfahrzeug an, wo sich Hindernisse in Form von Stromkästen oder Hydranten befinden. Der Fahrer kann den Hindernissen ausweichen, statt sie zu rammen und dadurch große Schäden zu verursachen. Ein drittes Beispiel: Schafe auf einer weit entfernten Alm erhalten einen Sender, der alle paar Minuten ihren Standort überträgt. Das Bewegungsmuster verrät, wo sich verloren gegangene Tiere befinden könnten und ob sie einem Unfall oder einem Raubtier zum Opfer gefallen sind.

All diese Beispiele zählen zum Leuchtturmprojekt „Digitaler Zukunftsraum Lienzer Talboden“. Präsentiert wurde es in der FH Kufstein, wo Studierende und Lehrende die einzelnen Beispielprojekte zum Laufen gebracht haben. Die 15 Gemeinden des Lienzer Talbodens dienten als Pilotregion, weil dort der Breitband-Ausbau schon fast abgeschlossen ist. Weitere Beteiligte: die Firmen Inno-Cube GmbH und SBR-net Consulting AG sowie das Land Tirol, das einen großen Teil der Projektkosten von rund 250.000 Euro beigetragen hat.

Um die Beispielprojekte umzusetzen, braucht es neben der Breitband-Infrastruktur keine riesigen Investitionen: Für die Parkplatz-Vorschau ist eine Kamera notwendig, die den jeweiligen Platz von oben aufnimmt. Die Schneeräum-App kann ohne Probleme mit den ohnehin bekannten Standorten von Hydranten und Co. gefüttert werden, Sensoren tun das Übrige dazu. Und das Schaf-Tracking erfordert neben den Sendern eine Empfangsstation, bei der die Daten einlaufen. Hier kommt eine technische Finesse namens LoRa-WAN ins Spiel. Sie ermöglicht die Übertragung von Daten per Funk und über weite Entfernungen.

Was alle Beispielprojekte gemeinsam haben: Es geht dabei um Informationen, die in Kommunen und Regionen entweder schon vorhanden sind oder selbst aufgezeichnet werden und zum eigenen Vorteil nutzbar sind. Die Riesen der globalen Internet-Welt spielen dabei keine Rolle, und das ist auch Absicht. „Breitband-Internet hat einen viel größeren Nutzen als nur zum Netflix-Schauen“, meint Wirtschaftslandesrat Toni Mattle. „Das zeigt dieses Projekt. Es ist ein großer Schritt in Richtung Zukunft.“ Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik drückt es so aus: „Unsere Daten sind unsere Ressource, sozusagen unser Gold. Wir wollen sie zum Wohl der Bevölkerung nutzen.“

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