„Ich bin dein Mensch“: Der perfekte Liebhaber

Maria Schrader stellt in ihrem Berlinale-Film „Ich bin dein Mensch“ große Fragen nach der Liebe und dem Menschsein.

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Großes Gefühlsexperiment. Alma (Maren Eggert) und Roboter Tom (Dan Stevens).
© Filmladen

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Die Kinogeschichte wimmelt von Androiden. Zu romantischen Liebhabern werden sie aber eher selten. In Maria Schraders Berlinale-Beitrag „Ich bin dein Mensch“ ist die Titelfigur Tom aber genau das: ein perfekter Partnerschaftsroboter für Protagonistin Alma. Sie forscht als Wissenschafterin am Berliner Pergamonmuseum ausgerechnet zur Poesie antiker Keilschrift. Für eine Ethik-Kommission soll sie drei Wochen lang einen Androiden-Partner an ihrer Seite evaluieren. Am Ende des Experiments steht dann ein Gutachten über die „Menschlichkeit“ des Roboters.

Die futuristischen Debatten um den Status der künstlichen Technik-Wesen sind spätestens seit Isaac Asimovs Robotergesetzen und ihren zahlreichen filmischen Adaptionen ein ständiger ethischer Vorgriff auf die mittlerweile gar nicht mehr so ferne Zukunft. Es ist eine zusehends auch intime Zukunft, wie die Doku „RoboLove“ vor Kurzem zeigte, zwischen Dating-Algorithmen und täuschend echt animierten Liebespuppen.

Auch wenn es um Liebe zu einem Androiden-Menschen geht, ist „Ich bin dein Mensch“ doch weit entfernt von bedrohlichem Sci-Fi wie dem perfiden „Ex Machina“ oder düsteren „Alien“-Visionen. Die Geschichte ihrer fast durchwegs nach Gegenwart aussehenden Zukunftsvision ist näher an Spike Jonzes Romantik-Drama „Her“, diesmal aus weiblicher Perspektive und leider ohne dessen interessantes Retro-Design.

Trailer | „Ich bin dein Mensch“

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Die Figur der Alma ist komplex gezeichnet und von Maren Eggert faszinierend gespielt (Silberner Bär als beste Schauspielerin). Sie ist eine rationale Wissenschafterin, die sich auch ihrem eigenen Gefühlsleben lieber mit distanzierter Objektivität nähert.

Sie muss sich fragen: Können wir jemanden lieben, der seine eigene Existenz einseitig unterordnet? Die Beziehung zu Tom ist gewissermaßen käufliche Liebe ohne Ausbeutung, eine Illusion ohne Betrug, eine emotionale Dienstleistung.

Doch Alma folgt dem neuzeitlichen Ideal der romantischen Liebe. Sie will, wenn überhaupt, einen gleichwertigen Partner, keine simple Wunscherfüllung.

Doch sind nicht die glücklichsten Menschen jene, die sich erfolgreich etwas vormachen, wie Woody Allen meint? Warum also keinen konfliktfreien Robo-Liebhaber wie Tom, herrlich gespielt vom Briten Dan Stevens?

Interessant ist „Ich bin dein Mensch“ auch im feministischen Kontext. Regisseurin Schrader schreibt in ihrem Statement über Tom: „Er ist den Menschen in fast allem überlegen, zugleich aber frei von persönlicher Ambition, frei von Angst, frei von Freiheitsdrang. Von ihm geht keine Gefahr aus.“

Zumindest darin ist der KI-Mann denen aus Fleisch und Blut also überlegen.

Die verstörenden Aspekte der Beziehung zu einem weiblichen Androiden erforscht übrigens Anfang Juli ein anderer österreichischer Film, „The Trouble with Being Born“ von Sandra Wollner.

Derweil stellt Maria Schrader (sie soll für Hollywood die Weinstein-Affäre verfilmen) mit „Ich bin dein Mensch“ die großen Fragen in leichtem, süffisantem Stil, auch wenn das kopflastige Drehbuch manchmal durchscheint.

Der Humor ist fein, die Emotionen sind zurückhaltend. Auch wenn ihm etwas mehr Dramatik nicht geschadet hätte, ist „Ich bin dein Mensch“ ein angenehmer, nachdenklicher kleiner Film über die Liebe und das Menschsein.


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