Eule in Lienz vor Schließung: Sorge um Förderung der Kinder

In vier Monaten soll das Therapie- und Förderzentrum Eule in Lienz zusperren.

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In vier Monaten soll das Therapie- und Förderzentrum Eule in Lienz geschlossen werden. Das Team aus Physio-, Logo- und Ergotherapeutinnen sowie einer Psychologin hofft nach wie vor auf den Weiterbestand.
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Von Christoph Blassnig

Lienz – Sorge steht den sieben Frauen im Team des Therapie- und Förderzentrums Eule in Lienz ins Gesicht geschrieben. Noch lähmender sei die Fassungslosigkeit darüber, dass die Psychologin, die Physio-, Logo- und Ergotherapeutinnen vom Schließen ihrer Arbeitsstelle mit Ende Oktober aus der Zeitung erfahren haben. „Ich muss das komplett ausblenden. Sonst kann ich meine Arbeit gar nicht mehr machen“, zeigt sich eine Therapeutin erschüttert. „Ich habe diesen Beruf gewählt, um Kinder aufzufangen, die sonst durch den Rost zu fallen drohen. Jetzt lässt man tatsächlich uns durch den Rost fallen – und die Kinder gleich mit. Ich bin selbst völlig ratlos und soll den Eltern Mut machen.“ Es sind jedes Jahr um die 100 Kinder, die im Therapiezentrum in Lienz Unterstützung finden. Bei den meisten benötigen auch Geschwister Förderungen. Fast immer haben die jungen Klienten nicht nur eine einzelne Schwäche. „Das macht eine zentrale Einrichtung mit den unterschiedlichen Fachrichtungen an einem Ort wie unsere so wertvoll für die Eltern“, erklärt eine andere. „Eine qualifizierte Ansprechpartnerin einer anderen Disziplin ist nur eine Tür weiter. Wir funktionieren so gut als Team und haben viel Energie in dieses Wissen investiert. In der Medizin versucht man multidisziplinäre Versorgungszentren und Gemeinschaftspraxen einzurichten, und unsere, die auf 30 Jahre Erfahrung baut, will man einfach zudrehen.“

Von 104 Beschäftigten der Eule in Tirol sind 101 Frauen. Jede Zweite von ihnen arbeitet in Teilzeit. „Ich habe selbst drei Kinder, wir haben im Heimatdorf ein Haus gebaut und ich pendle zur Arbeit nach Lienz. Ich kann mich nicht allein in einem abgelegenen Tal selbstständig machen“, berichtet eine Mitarbeiterin. Zehn oder 15 Wochenstunden seien häufig jenes Pensum, das Mütter zeitlich schaffen würden. „Wie kann man uns und den Eltern nur erzählen, dass alles einfach weitergehen wird?“, entrüstet sich eine Kollegin. Noch immer erhalte man keinerlei validen Informationen von der zuständingen Landesrätin Gabriele Fischer.


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