Weitere Tote, noch 151 Vermisste: Angst vor hoher Opferzahl in Miami wächst

Drei Tage nach dem verheerenden Einsturz eines halben Hochhauses in Miami werden weitere Leichen geborgen. Weit über 100 Personen gelten noch als vermisst, aufgrund der Umstände schwindet jedoch die Hoffnung, sie noch lebend zu finden. Gegen den Hauseigentümer läuft bereits eine Klage.

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Spezialteams suchen seit Tagen unermüdlich und unter widrigen Bedingungen nach Überlebenden.
© GIORGIO VIERA

Miami – Nach dem teilweisen Einsturz eines Hochhauses in Miami ist die Zahl der Toten Behördenangaben zufolge auf zehn gestiegen, 151 Personen gelten weiterhin als vermisst. Dies bestätigte die Bürgermeisterin von Miami-Dade County, Daniella Levine Cava. Fünf weitere Leichen waren in den Trümmern gefunden worden. Zudem seien nicht identifizierte „menschliche Überreste“ in den Schuttbergen gefunden worden. Konkreter wurde sie nicht. Die Identifizierung sei nicht einfach, betonte sie. Hier würden DNA-Tests genutzt. Von Angehörigen seien dazu DNA-Proben eingesammelt worden.

Angesichts der vielen noch Vermissten bleibe die Gesamtzahl der Toten „äußerst ungewiss". Levine Cava betonte, die Suche nach Opfern in den Trümmern gehe unvermindert weiter.

Neben den Hunderten Helfern, Rettungshunden, Sonargeräten und Drohnen sowie Infrarot-Scannern sind nun auch zwei große Kräne und zwei Bagger rund um die Uhr im Einsatz, um nach den Verschütteten zu suchen. Experten aus Israel und Mexiko helfen bei der Suche. „Es ist eine extrem schwierige Situation", sagte Feuerwehrchef Alan Cominsky. „Unsere Rettungsteams arbeiten ununterbrochen, wir tun alles, was wir können, durchsuchen jeden Winkel und geben die Hoffnung nicht auf, Überlebende zu finden."

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Nicht alle der Vermissten müssen unbedingt in dem Gebäude gewesen sein. Es handelt sich nach Behördenangaben um eine Liste an Personen, die sich potenziell zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Haus aufgehalten haben könnten. Viele Familien bangen um ihre Angehörigen.

Die Polizei hat bislang die Namen von acht identifizierten Toten veröffentlicht: Die Opfer sind im Alter von 26 bis 83 Jahren. Unter ihnen ist auch ein älteres Ehepaar.

Das Unglück ereignete sich in der Nacht zum Freitag in Surfside, einem Ort auf einer der Stadt Miami vorgelagerten Insel. Von den mehr als 130 Wohnungen sollen zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 80 bewohnt gewesen sein. Einige Bewohner konnten sich noch über die Treppen in Sicherheit bringen oder wurden von Balkonen gerettet. Es wird befürchtet, dass viele aber im Schlaf überrascht wurden. Die Behörden befürchten daher, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigen wird.

Sammelklage gegen Eigentümer

Warum das zwölfstöckige Gebäude zum Teil einstürzte, ist bislang unklar. Örtlichen Behörden zufolge wurden unter anderem am Dach der Champlain Towers South genannten Anlage Reparaturen vorgenommen. Medienberichten zufolge war das Gebäude in der Nähe des Strands von Surfside 1981 gebaut worden. Laut den Behörden ist unklar, warum das Gebäude teilweise einstürzte.

Ein von der Stadt Surfside veröffentlichtes Gutachten aus dem Jahr 2018 stellte aber schon damals „große strukturelle Schäden" sowie Risse und Abbröckelungen im Keller des Gebäudes fest. Demnach forderte der Experte Frank Morabito, die Schäden zeitnah zu beheben. Der größte Teil der Schäden wurde „wahrscheinlich durch die jahrelange Einwirkung der korrosiven Salzluft an der Küste Südfloridas verursacht", hieß es damals in dem Bericht. Ohne Nachbesserungen „wird sich das Ausmaß des Betonverfalls exponentiell ausweiten".

US-Medien zufolge hat ein Bewohner bereits eine Sammelklage gegen die Eigentümer des Gebäudes eingereicht, um Entschädigung für die Opfer zu erhalten. Floridas Gouverneur Ron DeSantis sagte am Samstag, die Evakuierung eines nahe gelegen ähnlichen Gebäudes werde geprüft. Es gebe aber keine Hinweise auf unmittelbare Gefahr. (AFP)


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