Tiroler Oberst an der Südgrenze: „Das Schreien der Soldaten war zu hören“

Tirols stellvertretender Militärkommandant Oberst Gerhard Pfeifer erinnert sich an den Sicherungseinsatz an der Südgrenze vor 30 Jahren.

  • Artikel
  • Diskussion
Die beiden Fotos aus dem Archiv des Bundesheers zeigen den Lufttransport der Jägergruppe sowie den Grenzübergang Radkersburg während dieser heißen Tage Ende Juni/Anfang Juli 1991 (u.).
© Archivaufnahmen ÖBH

Innsbruck – Zum 30. Mal hat sich gestern der Beginn des Sicherungseinsatzes an der Grenze zum ehemaligen Jugoslawien gejährt. Auch Soldaten aus Tirol wurden in den Süden verlegt. Mit dabei: der jetzige stellvertretende Militärkommandant von Tirol, Oberst Gerhard Pfeifer.

Noch an diesem Tag formierte sich in den Garnisonen Kufstein und St. Johann i. T. das Jägerbataillon 21 für den Einsatz. Der damalige Leutnant Pfeifer wurde als stellvertretender Kommandant der schweren Kompanie aus dem Urlaub zurückgeholt. Anstatt mit seinen Freunden wie geplant in die Toskana zu reisen, verlegte er noch in den frühen Abendstunden des 28. Juni mit seiner Kompanie an die steirische Südgrenze.

Das Jägerbataillon 21, verstärkt durch eine Jägerkompanie aus Osttirol, wurde als luftbewegliche Reserve in Graz bereitgehalten. Neben der laufenden Ausbildung der jungen Grundwehrdiener an den schweren Waffen, darunter auch erstmalig Panzerabwehrlenkwaffen, verlegten die Soldaten mehrmals im Lufttransport an die Brennpunkte der Südgrenze – nach Lavamünd, Spielfeld oder Radkersburg. An diesen Schlüsselstellen nahe der Grenze wurde gemeinsam mit gepanzerten Reservekräften die Einsatzführung vorgeübt.

© Archivaufnahmen ÖBH

„Der spannendste Einsatz“, so erinnert sich Oberst Gerhard Pfeifer, „war der Luftlandeeinsatz in Radkersburg.“ Nach einem langen Ausbildungstag in der Sommerhitze wurde am Abend die schwere Kompanie kurzfristig alarmiert. Ein kleines Kompaniekommando unter dem Kommando des jungen Leutnants Pfeifer verlegte mit fünf Transporthubschraubern nach Radkersburg. Schon aus dem Hubschrauber konnte man das brennende Oberradkersburg (Gornja Radgona) gut erkennen. Nahe der Grenze angelandet, erkundeten die Kommandanten gemeinsam mit den vor Ort eingesetzten Soldaten den Einsatzraum und gingen rasch mit ihren Panzerabwehrwaffen in Stellung. Im Blickfeld die brennenden Gebäude, schießende Kampf- und Schützenpanzer. Das Donnern der Panzergranaten wurde verstärkt durch Maschinenkanonen- und Maschinengewehrfeuer. „Sogar das Schreien der Soldaten war zu hören, derart nah waren wir am Kriegsgeschehen“, schildert Oberst Pfeifer heute. „Wir passierten zwei Jagdpanzer ,Kürassier‘. Während des Marsches sprachen die sonst sehr redseligen Rekruten kein Wort, erst der Anblick der ‚Panzer‘ entlockte ihnen ein erleichtertes ‚Gott sei Dank, Panzer san a do‘. Dann wieder Schweigen“, so Pfeifer.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

An diesem Tag wurden die Tiroler Soldaten Zeitzeugen eines heftigen Gefechts direkt an der österreichischen Grenze. Und zeigten Präsenz und Entschlossenheit, wenn notwendig, die Staatsgrenze zu verteidigen. (TT)


Kommentieren


Schlagworte