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TT-Analyse zu Diskussion um Tat in Wien: Ein Ruf zu Sachlichkeit und Mitgefühl

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Wolfgang Sablatnig

Analyse

Von Wolfgang Sablatnig

Die Nachricht, dass zwei afghanische Burschen in den Tod einer 13-Jährigen in Wien verwickelt sein sollen, kam am Montagabend. Gestern Früh lief die Politik-Maschinerie an: FPÖ-Chef Herbert Kickl meldete sich mit der Forderung, Österreich als „Asylstandort“ weniger attraktiv zu machen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will alles tun, dass die Täter hart bestraft werden. Die SPÖ wirft dem Innenminister vor, die falschen Personen abzuschieben.

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Eine Diskussion kann nach einer Tat wie dieser nicht ausbleiben. Zuletzt mussten wir darüber reden, warum Männer ihre (Ex-)Partnerinnen ermorden – und was die Gesellschaft tun kann, um diese Frauen zu schützen. Jetzt kommen Herkunft und Vorleben der mutmaßlichen Täter dazu. Statistiken legen nahe, dass der Anteil von Afghanen unter den Straffälligen hoch ist. Die Gründe? Vielfältig: Afghanistan leidet seit Jahrzehnten unter Krieg, der Staat zerfällt, Autoritäten sind schwach. Viele junge Männer haben nie Frieden erlebt. Sie kommen unbegleitet.

Diese Versuche einer Erklärung können nie zur Entschuldigung werden. Wer hier lebt, muss das frei und unbeschwert tun können. Sitten und Gebräuche dürfen nicht daran gemessen werden, ob sie den Moral- und Kleidervorschriften mancher Zuwanderer widersprechen. Nackte Haut ist keine Einladung zu Übergriff oder Gewalt. Wer das nicht verstehen will, missbraucht das Gastrecht.

Die Erklärungsversuche können aber hilfreich sein, eine andere Frage zu beantworten: Was kann unsere Gesellschaft beitragen, damit sich die Zuwanderer hier zurechtfinden?

Ein Fall wie dieser lässt einen rat- und hilflos zurück. Problematisch wird es, wenn die Debatte nur noch mit Reflexen geführt wird, von links und rechts, von Populisten und Gutmeinenden. Problematisch wird es, wenn wir übersehen, dass auch unter den Asylwerbern und Afghanen nur wenige straffällig werden.

Und problematisch wird es, wenn wir eines vergessen: Eltern, Freunde und Angehörige haben einen lieben Menschen verloren. Ihnen gilt unser Mitgefühl.


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