Proteste in afrikanischem Kleinstaat Eswatini: Berichte über Tote

Im Königreich Eswatini eskalieren die Proteste. Nächtliche Ausgangssperren wurden verhängt, offiziell wegen der Corona-Pandemie. Am Mittwoch sollen mehrere Menschen getötet wurden sein.

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Der König von Eswatini Mswati III vor der UNO-Generalsversammlung in New York (Archivaufnahme).
© JEWEL SAMAD

Pretoria – Afrikas letzte absolute Monarchie wird von Protesten erschüttert. Die Regierung des weitgehend von Südafrika umschlossenen Königreichs Eswatini (früher: Swaziland) erließ daher weitreichende Beschränkungen wie Schulschließungen und nächtliche Ausgangssperren. Als Begründung wurde auch die Corona-Pandemie genannt. Nach offiziell unbestätigten Berichten gab es am Mittwoch mehrere Tote.

Im Nachbarland Südafrika äußerte sich am Abend die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) extrem besorgt über die zunehmende Instabilität und rief die regionale Staatengemeinschaft SADC zur Vermittlung auf. "Der Einsatz von Sicherheitskräften für die Unterdrückung von politischem Dissens und das Scheitern, auf legitime Bürgersorgen einzugehen, komplizieren den Konflikt", hieß es in einer Erklärung. Der ANC forderte die Zulassung politischer Parteien und die Vermeidung einer "autokratischen Krisenlösung mit harter Hand".

In dem Kleinstaat mit knapp 1,2 Millionen Einwohnern gibt es seit Tagen Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten, die demokratische Reformen verlangen. Am Mittwoch gab es nach diversen Berichten wieder Schüsse und brennende Autos. Die Jugendorganisation der sozialistischen prodemokratischen Pudemo-Partei, Swaziland Youth Congress, berichtete auf Facebook: "Wir können bestätigen, dass Armee und Polizei aktuell 21 Bürger getötet haben." Da das Internet landesweit abgeschaltet sei, seien weitere Informationen kaum möglich. Eine offizielle Bestätigung war nicht zu erhalten.

Die unabhängige Online-Plattform "Swazi News" veröffentlichte auf Twitter ein Video, in dem zu sehen ist, wie Einsatzkräfte auf fliehende Zivilisten schießen. Auch in anderen sozialen Medien gab es Berichte über gewaltsame Zwischenfälle. Eine zuverlässige Überprüfung war nicht möglich. Auch verlässliche Zahlen, wie viele Menschen sich an den Protesten beteiligen, gab es nicht. Premierminister Temba N. Masuku sprach von einer "renitenten Menge", die Gewalt ausübe. Leider würden die Proteste "von kriminellen Elementen missbraucht".

Das bitterarme Land befindet sich gerade im Griff einer dritten Corona-Welle. Nach offiziellen Zahlen wurden seit Beginn der Pandemie knapp 20.000 Infektionen registriert, 678 Menschen starben. Der mit absoluter Macht herrschende König Mswati III. steht wegen Verschwendungssucht in der Kritik. Politische Parteien sind verboten. (APA, dpa)


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