Ein Schuljahr im On/Off-Modus geht zu Ende: Regeln im Herbst noch offen

Mit Ende dieser Woche geht das Schuljahr im Osten Österreichs zu Ende. Ende nächster Woche folgen dann der Westen und Süden. Auch 2020/21 brachte den Schülern einen Wechsel aus Präsenz-, Schichtbetrieb und Fernunterricht. Seit Februar gehörten die Antigen-Selbsttests zur Morgenroutine.

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Die Ferien stehen vor der Tür: Dank Corona haben die Schüler heuer ein durchwachsenes Schuljahr erlebt.
© APA/dpa/Peter Kneffel

Wien – Mit Freitag geht in Ostösterreich ein Schuljahr zu Ende, dem die Coronapandemie von Anfang bis Ende ihren Stempel aufgedrückt hat. Zwar glückte der von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) erhoffte Schulstart zunächst mit "weitgehender Normalität" – wenn auch freilich mit Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht. Doch schon im Oktober führte die zweite Welle die Schulen zurück in einen On/Off-Modus. Erst ab Mitte Mai herrschte wieder weitgehend Normalbetrieb.

Schul-Ampel schnell obsolet geworden

Eigentlich sollten flächendeckende Schulschließungen im Schuljahr 2020/21 weitgehend ausgeschlossen werden. Stattdessen sollten – je nachdem, welche Farbe die Ampelkommission einem Bezirk verpasst – lokale Maßnahmen getroffen werden, so der Plan des Bildungsministers. In der Praxis wurde dieser rasch vom Infektionsgeschehen überholt, die Schul-Ampel spielte schon bald keine Rolle mehr.

Nach den Herbstferien hieß es für die Oberstufen denn auch wieder bundesweit ab ins Distance Learning, die Jüngeren folgten Mitte November. Im Dezember konnte zwar ein großer Teil der Schüler wieder in die Schulen zurück. Anfang Jänner läutete das Auftreten der britischen Virusvariante B.1.1.7. (Alpha-Variante) dann allerdings Runde drei des Fernunterrichts ein. Um den Zeitpunkt der Rückkehr in die Klassenzimmer nach den Semesterferien wurde lange gerungen – ein für Schüler, Lehrer wie Eltern nervenzehrender Prozess. Einen weitgehend normalen Schulalltag für alle Schüler – also ohne Schichtbetrieb auch für die Oberstufen - gab es schließlich erst ab Mitte Mai.

Im Präsenzunterricht hat sich der Ninja-Pass für die Corona-Tests bewährt.
© HERBERT NEUBAUER

Das Schuljahr konnte dennoch verhältnismäßig normal zu Ende gebracht werden, wenn auch mit Sonderregeln wie einer Begrenzung der Schularbeiten und dem Appell des Ministers an die Lehrer, die Ausnahmesituation des Corona-Jahres bei ihrer Notengebung zu berücksichtigen. Selbst die Matura ging – mit Abstrichen wie einer Verschiebung der Termine und zusätzlichen Erleichterungen wie einer rein freiwilligen mündlichen Reifeprüfung – weitgehend problemlos über die Bühne.

Nasenbohrertests als Morgenritual

Um den Schulbetrieb trotz Pandemie aufrecht zu halten, gehörten allerdings seit Februar Antigenselbsttests mehrere Male pro Woche zum schulischen Morgenritual. Nur Getestete dürfen seither am Unterricht teilnehmen, die Zahl der Verweigerer war minimal. Durch den Einsatz der "Nasenbohrer"-Tests – zunächst zweimal, bald dreimal pro Woche – sollten zumindest besonders infektiöse Schüler herausgefiltert werden. Das funktionierte laut der seit Herbst regelmäßig durchgeführten Schul-Gurgelstudie, bei der mit deutlich zuverlässigeren PCR-Tests gearbeitet wurde, auch relativ gut. Die Zahl der unerkannten Infektionen war demnach verhältnismäßig gering. Allerdings bedeutet selbst die aktuelle Dunkelziffer von 0,1 Prozent, dass an jeder zweiten größeren Schule ein unerkannt mit dem Virus infizierter Schüler in der Klasse sitzt, wie Studienautor Michael Wagner (Uni Wien) betont.

Auch abseits von Testregime und Gurgelstudie hat Faßmann sich bei der Absicherung der Schulen angesichts der ihm zu passiv erscheinenden Gesundheitsbehörden "ein bisschen eingemischt", wie er es zuletzt selbst nannte. So wurden etwa mobile Ärzteteams etabliert, um Verdachtsfälle an Schulen schneller abzuklären.

Bei der pädagogischen Arbeit hat sich an den Schulen im Vergleich zum ersten Lockdown im zu Ende gehenden Schuljahr vieles eingespielt. So hatte sich diesmal bereits im Vorfeld jede Schule auf eine bzw. höchstens zwei Kommunikationsplattformen geeinigt und vor allem in den Klassen für ältere Schüler wurde oft weitgehend nach Stundenplan unterrichtet. Der fehlende Austausch mit den Mitschülern und der Wegfall der Tagesstruktur haben vielen Schülern allerdings gehörig zu schaffen gemacht, wie zahllose Studien über die psychischen Auswirkungen der Schulschließungen zeigen.

Drei Mal in der Woche mussten die Schüler im Präsenzunterricht einen Selbsttest durchführen.
© APA/dpa/Carstensen

Regelungen im Herbst noch offen

Weniger eindeutig ist die Studienlage bei der Frage, wie es um den Lernfortschritt der Schüler in diesem zweiten Ausnahmejahr insgesamt steht. In einem Punkt herrscht in den Untersuchungen allerdings Einigkeit: Schüler, die davor schon Probleme beim Lernen hatten und von ihrer Familie nicht gut unterstützt werden, wurden noch weiter abgehängt.

Zwar wurden hier vom Bildungsministerium diverse Maßnahmen gesetzt, etwa zusätzliche Förderstunden, kostenlose Lernhilfe-Angebote und ein Ausbau der Sommerschule, in der Schüler ihre in der Pandemie entstandenen Lernrückstände aufholen können sollen. Kritiker sehen allerdings noch deutlich mehr Handlungsbedarf.

Wie der Schulbetrieb ab Herbst aussehen soll, ist unterdessen noch weitgehend unklar. Gestartet werden soll mit einer "Sicherheitsphase" mit Testungen aller Schüler, Lehrer und des Verwaltungspersonals an den Schulen. Ob auch danach regelmäßig getestet werden muss, hängt laut Faßmann – genau wie die Regeln zum Maskentragen – von der Infektionslage ab. Die konkreten Maßnahmen sollen im August bekanntgegeben werden. (APA)


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