Aus für Eule: Petition sammelt Tausende Unterschriften für neues Konzept

Für ein besseres Therapieangebot nach der Eule hat eine Landeckerin bereits 8500 Unterschriften gesammelt. Wichtig seien auch Angebote in der Nähe des Wohnortes.

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Bereits im Winter soll das Therapiezentrum Eule mit acht Tiroler Standorten geschlossen werden.
© Thomas Böhm / TT

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Bereits im Winter soll das Therapiezentrum Eule mit acht Tiroler Standorten geschlossen werden. Neue Konzepte, um das Vakuum bei der Betreuung von Kindern mit Behinderungen aufzufüllen, „liegen derzeit nicht vor“, kritisieren Wolfgang Begus, Obmann der Beratungsstelle integration.tirol, und die betroffene Mutter Sonja Tollinger. Der Landeckerin gelang es mittlerweile, 8500 Unterschriften zu sammeln, „bereits am ersten Tag der Aktion waren es über 1000“.

Die Mutter eines Kindes mit Handicap betont, dass sich die Petition nicht gegen die Schließung der Eule richtet. Vielmehr fordern Tollinger und Begus, die Therapien für die Kinder noch vor der Schließung weiterhin sicherzustellen: „Wir wollen ein neues, zukunftsorientiertes Therapiekonzept im Sinne der UN-Behindertenkonvention.“

Begus und Tollinger haben bereits klare Vorstellungen, was dieses Konzept beinhalten soll. Beispielsweise, dass Menschen mit Handicap ihre Therapien über die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) beziehen können. Das sei bislang nicht der Fall, kritisiert Begus: „Die ÖGK muss für alle da sein, Behinderte dürfen nicht ausgeschlossen werden.“

Weiters hoffen Tollinger und Begus auf mehr Flexibilität und ein möglichst vielfältiges Angebot inklusive Gruppenpraxen, mobile Leistungen etc. – „für jedes Kind passt etwas anderes“. Vor allem sollen Betroffene künftig auch Zugang zu selbst gewählten Therapeuten haben. Wichtig seien auch Angebote in der Nähe des Wohnortes. „Ich weiß von einer Mutter, die muss jede Woche mit ihrem Kind von Nauders nach Zams fahren“, sagt Tollinger: „Dafür gehen jedes Mal eineinhalb Stunden drauf.“ Begus ergänzt: „Eltern müssen sich oft entscheiden, ob sie ein Kind zum Fußballtraining oder das andere zur Therapie bringen.“ Hilfreich wäre außerdem, wenn Therapeuten nicht nur in Sonderschulen, sondern auch in Regelschulen zur Verfügung stehen würden.

Auch die ausufernde Bürokratie für die ohnehin schon belasteten Familien ist ein Thema: „Warum müssen Eltern alle zwei Jahre nachweisen, dass ihr Kind noch immer das Downsyndrom hat, um bestimmte Leistungen und Therapien in Anspruch nehmen zu können?“ Und warum müssen immer wieder dieselben Unterlagen beigebracht werden, die den Behörden längst vorliegen?

Begus wünscht sich außerdem eine umfassende Informationsseite im Internet.


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