Diskussion von heimischen Experten: „Klima muss wieder Thema werden“

Geologe Christoph Spötl berichtete in einem Wissenschaftstalk, was aus Höhleneisschichten zu lernen sei. WWF-Klimaexpertin Lisa Plattner setzt auf die Protestbewegung Fridays For Future gegen Klimawandel.

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Geologe Christoph Spötl, WWF-Klimaexpertin Lisa Plattner und TT-Chefredakteur Alois Vahrner (v. l. n. r.) diskutieren zum Thema Klima.
© Rudy de Moor

Innsbruck – „Selbst wenn wir heute das Klima stabilisieren, können wir die Gletscherzungen nicht mehr retten“, sagt der Tiroler Höhlenforscher und Geologe Christoph Spötl. Der Wissenschaftstalk des Wissenschaftsfonds FWF spannt Mittwochabend im Haus der Musik beim Thema Klima den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft. Denn schon „in fünf Jahren wird der CO2-Verbrauch zur Kühlung von Serverfarmen – die für Digitalisierung, von Suchanfragen bis Streaming – höher sein als jener des Flugverkehrs“, erklärt Lisa Plattner, Klimasprecherin des WWF-Österreich. Denn was oft vergessen werde: Auch der ökologische Fußabdruck der Informations- und Kommunikations-Branche (ICT) sei beachtlich.

WWF-Expertin Plattner setzt auf den Einfluss von NGOs.

Jedoch habe gerade die Corona-Pandemie gezeigt, dass von der Politik auch schnell reagiert werden könnte. Jetzt, nach der Pandemie, müsse „das Klima wieder zum Thema werden“. Höhlenforscher Spötl zeigt sich optimistisch, dass Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik eine Senkung der Emission noch rechtzeitig angehen. Deshalb steigt er mit seinem Team in die Tiefen der Erde hinab, denn „dort unten in den Höhlen der Alpen gibt es Informationen, die es oben auf der Erde schlicht nicht mehr gibt. Das sind Zeitreisen zurück über Millionen Jahre“, sagt Spötl. Gerade Tropfsteine, mineralische Ablagerungen, seien die „besten Klimaaufzeichnungen“. So sei etwa das Höhleneis Hunderte bis Tausende Jahre alt, also gespeicherter Niederschlag, von dem Temperaturveränderungen in anderen Epochen nachgewiesen werden können. Spötl hofft, dass diese „Archive der Vergangenheit“ mit ihren Informationen noch geborgen werden können und etwa in Eiskernlaboren aufgehoben werden. In einer Schweizer Höhle konnte etwa, so Spötl, nachgewiesen werden, dass es in einer „Warmzeit in den Alpen“ sogar zwei, drei Grad wärmer als heute gewesen sein muss. Auf heute könnte diese Periode aber nicht umgelegt werden, denn „was es damals nicht gegeben hat, sind Treibhausgase“.

Mit dem Pariser Klimavertrag von 2015 sei die Bedrohung durch Treibhausgasemissionen ins Bewusstsein gerückt, betont WWF-Expertin Plattner. Das Abkommen fordert, dass die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit beschränkt wird. Das Bedeutende: Erstmals sind alle Staaten der Welt bei einem Klimaabkommen dabei. Und das sei notwendig, denn betroffen vom Klimawandel seien nicht nur Länder der Südhalbkugel mit Hungersnöten und Hitzeperioden, auch Länder wie Österreich seien bereits betroffen. So gebe es seit den Siebziger-Jahren einen Artenrückgang um 68 Prozent. Plattner betont auch die Zunahme von Hitze- und Dürreperioden und auch die Zunahme von Wetterextremen in Österreich.

Geologe Christoph Spötl (l.) sucht in Höhlen nach Antworten.

„Entweder es wird in den Klimaschutz investiert oder in die Unwetterfolgen.“ Plattner berichtet, dass in Wien der Asphalt mancher Straßen in der Innenstadt wieder aufgerissen werde, um die Sommerhitze aus der Stadt zu bekommen, es werde bepflanzt und auf Straßenabschnitten Wassersprüher aufgestellt. Und sie fordert, die Bodenversiegelung in Österreich zu stoppen. Immer noch würden zwölf Hektar Boden pro Tag verbraucht, knapp die Hälfte davon werde versiegelt, also dauerhaft mit einer wasserundurchlässigen Schicht überzogen. Und der hohe Bodenverbrauch zeige Konsequenzen. Es steige auch in österreichischen Städten die Gefahr von Hitzeinseln und damit von Hitzetoten. Ob die Menschheit die Klimakrise in den Griff bekommen wird? Geologe Spötl ist optimistisch, obwohl „wir recht spät in unseren Aktionen sind“. Auch Plattner hofft das Beste. Gerade die Fridays-For-Future-Bewegung stimme optimistisch. Auch sie selbst habe schon Entscheidungsträger erlebt, die den Ernst der Lage erkannt hätten und mit den Umweltschützern in eine Richtung marschierten. Als Beispiel nennt sie das weltweite Verbot von FCKW, durch das sich das Ozonloch über der Antarktis stark verkleinert habe. (ver)


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