„Eine magische Nacht“: Verletzung trübt Italiens Jubel, Belgien leidet

Nach einer „magischen Nacht“ freut sich die Squadra Azzurra auf den Fußballgipfel gegen Spanien. Eine schwere Verletzung trübt die EM-Stimmung bei den Italienern allerdings. Im belgischen Team um die Stars De Bruyne und Lukaku ist die eh dahin.

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Das italienische Team präsentierte sich als jubelnde Einheit nach der "magischen Nacht" von München.
© Vedran Galijas via www.imago-images.de

München – Diesen großen Fußballabend wollten Italiens EM-Helden ohne den umgehenden Blick auf das Gigantenduell gegen Spanien auskosten. „Jetzt genießen wir diesen Sieg, dann denken wir an den Gegner“, sagte Trainer Roberto Mancini in der Nacht zum Samstag in München. Mit 2:1 hatte die Squadra Azzurra die zur Goldenen Generation erklärte belgische Auswahl um Kevin De Bruyne besiegt – und sich für das Halbfinale der Europameisterschaft am Dienstag im Londoner Wembley-Stadion bestens positioniert. Spanien hatte sich zuvor durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen die Schweiz durchgesetzt.

📽 Video | Italienische und spanische Fans im Freudentaumel

🔗>>> Italien setzte seinen Siegeszug durch Europa auch gegen Belgien fort

„Es fehlen noch zwei Spiele, jetzt wartet Spanien auf uns, eine großartige Mannschaft“, sagte Verteidiger Leonardo Bonucci. Im Kollektiv konnten die Italiener am Freitagabend Belgiens Super-Angriff schonmal kontrollieren. Nur per Foulelfmeter traf Sturmkoloss Romelu Lukaku zum 1:2. Nicolò Barella und Lorenzo Insigne mit einem Traumtor hatten den Weltmeister von 2006 bis dahin schon in eine komfortable Führungsposition gebracht.

In Deutschland, Ort des bislang letzten großen italienischen Triumphes vor 15 Jahren, wurde die Titellust der Squadra Azzurra am Freitagabend noch ein bisschen größer. 32 Spiele ohne Niederlage bringen dem von Mancini glänzend eingestellten Kollektiv auch eine fast unerschütterliche Zuversicht.

„Das unterscheidet uns von den anderen Mannschaften: Wir opfern uns einer für den anderen, so können wir weit kommen“, sagte Insigne. „Jetzt müssen wir die Akkus aufladen, es wartet Spanien, da müssen wir vorbereitet sein.“

Die Medien in der Heimat feierten ihre Stars schon überschwänglich. Die „Gazzetta dello Sport“ schwärmte von einem „fabelhaften Italien“, der „Corriere dello Sport“ machte eine „magische Nacht“ aus. „Jetzt träumen wir weiter, bleiben aber mit den Füßen auf dem Boden“, sagte Bonucci.

De Bruyne spielte mit Bänderriss

Während Italiens Halbfinalisten ausgelassen auf dem Rasen tanzten, verharrte De Bryune an der Mittellinie mit leerem Blick. „Für mich persönlich waren es vier oder fünf verrückte Wochen“, berichtete der nach Fouls wiederholt verletzte Star von Manchester City. „Es war ein Wunder, dass ich heute gespielt habe, denn mein Knöchel war definitiv beschädigt. Ein Riss in meinen Bändern. Aber ich fühlte mich verantwortlich, heute für mein Land zu spielen.“

Schwere Verletzung bei Spinazzola trübt Sieg

Sportlich frustriert verließen die Roten Teufel die Münchner EM-Arena, körperliche Schmerzen hatte der Italiener Leonardo Spinazzola. Der Verteidiger war mit dem Verdacht auf einen Riss der linken Achillessehne ausgewechselt worden. „Es hat mich sehr getroffen, ihn in Tränen zu sehen. Die Szene war nicht schön anzusehen. Er hat das nicht verdient. Er war einer unserer besten Spieler dieser EM“, sagte Trainer Roberto Mancini. Und auch Torschütze Lorenzo Insigne bedauerte die Verletzung. „Das ist ein schwerer Verlust für uns. Das ist sehr schade und traurig. Er war so wichtig für diese Mannschaft“, erklärte der Linksaußen.

Bei der Sieges-Party der italienischen Kicker wurde Spinazzola mit „Spina, Spina, Spina“-Sprechchören gefeiert. „Das ist Spina gewidmet“, schrieb Mancini auf Instagram zu einem Video, das die Sprechchöre für den 28-Jährigen im Bus zeigt.

Spinazzola hatte in der 61. Minute mit großem Einsatz einen Treffer von Belgiens Romelu Lukaku zum möglichen 2:2 verhindert und war dafür von seinen Mitspielern gefeiert worden. Eine Viertelstunde später musste er ohne gegnerische Einwirkung ein Sprint-Duell abbrechen und signalisierte sofort, dass er ausgewechselt werden muss. Dann setzte er sich auf den Rasen, legte sich kurz darauf hin und hielt sich die Hände vors Gesicht. Danach wurde der 28-Jährige von Sanitätern mit der Trage vom Feld gebracht. Für ihn kam in der 79. Minute Emerson. (TT.com, dpa)

📰 Pressestimmen aus Italien zum EM-Halbfinaleinzug

„La Gazzetta dello Sport“: „Olé Italien. Belgien geschlagen, wir sind wieder unter den Großen den Fußballs. Dienstag in Wembley Halbfinale gegen Spanien. Schlacht in München, gewaltige Azzurri. Magie von Barella und Insigne, super Gigio, monströser Chiellini, die Kapitulation von Lukaku. Drama um Spinazzola: Tränen und Turnier-Aus. Italien, du bist großartig, großartig, großartig.“

„Corriere dello Sport“: „Sag mir, dass das wahr ist! Ein fantastisches Italien in München: Belgien geschlagen, wir sind im Halbfinale. Traumhaftes Italien. Singt, umarmt euch. Der Himmel über München ist azurblau. Jetzt beginnt Italien wirklich groß zu träumen. Der Titel ist keine Fata Morgana mehr. La Roja zittert: Jetzt kommt Italien.“

„Tuttosport“: „Du bist wunderschön! Belgien geschlagen, Italien ist im Halbfinale gegen Spanien. Wie schön es ist, Italiener zu sein! Tor von Barella, Magie von Insigne: Wir fahren nach London! Super Donnarumma. Chiellini, ein Teufel zwischen Teufeln.“


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