Leitsystem in Innsbruck wird für Sehschwache sichtbarer

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Die Rillen zur Orientierung per Blindenstock werden oft aus Unachtsamkeit verstellt.
© Böhm

Innsbruck – Vielen fallen die Rillen, die auch in Innsbruck in den Straßenboden gefräst sind, nicht mehr auf. Nun wurden sie mittels Bodenmarkierung sichtbar gemacht. Hinter den Rillen steckt ein ausgeklügeltes Leitsystem für blinde Menschen. Es hilft ihnen, sich mittels Pendel- bzw. Blindenstock selbstständig im öffentlichen Raum, in Gebäuden und an Haltestellen sicherer und leichter zu bewegen.

Michael Berger vom Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol erklärt, dass die Einrahmungen das Resultat eines eineinhalbjährigen Prozesses mit der Stadt Innsbruck seien. „Aufgrund einer Ö-Norm aus dem Jahr 2018 müssen diese taktilen Leitsysteme für Sehbehinderte deutlich von der Umgebung unterscheidbar sein.“ Die Stadt Innsbruck sei aktiv an den Verband herangetreten, um gemeinsam eine praktikable Lösung zu finden. „Mit Wien nimmt die Stadt Innsbruck hier eine Vorreiterrolle ein, was die tatsächliche Verbesserung der Situation von Menschen betrifft, die Sehprobleme haben, aber keinen Stock benützen müssen.“ In Gesprächen mit dem Tiefbauamt, einer Gruppe von Sehbehinderten sowie dem Behindertenbeirat sei die Lösung ausgearbeitet worden. Berger hofft, dass die Einrahmung auch für Bewusstsein bei der sehenden Bevölkerung sorgen wird: „Leider ist es so, dass oft aus Unachtsamkeit auf den Rillen Verkaufsständer abgestellt oder Fahrräder und Scooter geparkt werden.“ Es sei schon ausprobiert worden, die Rillen am Rand einzufärben, das habe sich aber nicht als ideale Lösung erwiesen. Da der Asphalt arbeite, nutze sich die Farbe schnell ab.

Laut Stadträtin Uschi Schwarzl wurde mit der Markierung in der Innenstadt begonnen, die Kennzeichnung wird auf die Außenbezirke ausgedehnt. Das Anbringen der insgesamt 15 km Kennzeichnung wird rund 90.000 € kosten „Wir sind stolz, dass das mit den Betroffenen so gut gelöst wurde, es gibt viele positive Rückmeldungen.“

Berger ergänzt, dass die Innsbrucker Verkehrsbetriebe ständig an der Verbesserung ihrer Angebote arbeiten. „Wenn jemand mit einer Sehbeeinträchtigung an der Haltestelle auf den Rillen steht, sagt ihm der Fahrer, welche Linie vor ihm steht und wohin der Bus fährt, das funktioniert gut.“ Zudem werden die sprechenden Haltestellenanzeigen massiv ausgebaut. Auch die Broschüre „Weißt du wirklich, wo du stehst?“, welche die Blindenleitsysteme erläutert, wird neu aufgelegt. Infos auf www.bsvt.at (pla)

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