Voller Erfolg: Impfen ohne Termin wird in Tirol wiederholt

Zum Teil stundenlange Wartezeiten nahmen 13.000 Tiroler am gestrigen Impfsonntag bereitwillig in Kauf, um sich ihren Erststich zu holen. Schon kurz nach Mittag verkündete LH Günther Platter deshalb, dass es kommendes Wochenende eine Wiederholung der Aktion geben werde.

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Nicht nur bei der Messehalle hieß es warten: Bei fast allen Impfzentren des Landes bildeten sich am Sonntag stundelange Warteschlangen.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck, Kundl, Imst, Lienz, Telfs – Damit hat niemand gerechnet: Die neun Impfzentren erlebten am gestrigen Aktionstag einen richtigen Ansturm. In manchen Orten wurden die bereitstehenden Impfdosen bis auf den letzten Tropfen verabreicht. Das Land Tirol verkündete umgehend, den Impf-Aktionstag für Erstimpfungen ohne Anmeldung am kommenden Wochenende zu wiederholen.

📽️ Video | Das war der Impftag in Tirol

Innsbruck: Eigentlich hätte das Impfen ohne Termin in der Innsbrucker Messhalle erst um 9 Uhr beginnen sollen. Und trotzdem hat es an diesem Tag eine ältere Dame bereits gegen 8.50 Uhr zum Anmeldeschalter geschafft. „Ich habe mich um viertel nach acht angestellt“, erzählt sie. Die Warteschlange sei da gerade einmal „ums Eck“ gegangen. Jetzt, kurz vor Beginn des freien Impfens, ist der Andrang enorm. Es herrscht ein Kommen und Gehen, Parkplätze sind Mangelware – als wäre die Herbstmesse vorverlegt worden. Am Messevorplatz teilt sich die Reihe der Wartenden. Die Schlangen auf den Gehsteigen reichten bis zu 400 Meter weit zurück.

Die „Impf-Ampel“ auf der Homepage des Landes stand am Vormittag beim Impfzentrum Innsbruck längst auf Rot. „Aktuelle Wartezeit: Über 60 Minuten.“ Die gute Nachricht folgt in der nächsten Spalte: „Es stehen ausreichend Impfstoffe für Erstimpfungen ohne Anmeldung zur Verfügung.“ Noch.

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Vor der Messehalle bildete sich schon am frühen Vormittag eine lange Schlange.

Vor der Messehalle bildete sich schon am frühen Vormittag eine lange Schlange.

© TT/Rudy De Moor

Tausende Menschen wollten alleine in Innsbruck geimpft werden.

Tausende Menschen wollten alleine in Innsbruck geimpft werden.

© Foto Rudy De Moor

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Kundl: In Kundl war am Nachmittag Schluss. Das Land Tirol informierte um 14.45 Uhr, dass die Impfdosen nur noch für die aktuell vor Ort befindlichen Personen reichten. Impfwillige waren angehalten, auf andere Zentren auszuweichen oder sich doch regulär über tirolimpft.at anzumelden.

Am Vormittag wartete die Brandenbergerin Anna Klingler auf ihren Erststich. Drei Stunden lang. Dennoch wirkte sie entspannt. Wie die vielen anderen Impfwilligen auch. „Ich sehe es gelassen. Es hat schon lange gedauert, aber drinnen ging’s dann schnell“, erzählt die 14-jährige Valentina aus Reith im Alpbachtal. Sie ist eine der zahlreichen Jugendlichen, die ihre Chance gekommen sahen und sie nutzten. Das ständige Testen ist ihnen zu mühsam geworden. Sie freuen sich nach der Impfung auf einen „einfacheren“ Alltag.

Imst: Tiefenentspannt war auch Mona Nimmervoll, Leiterin der Impfzentrale für den Bezirk Imst. „Bis jetzt läuft alles gut.“ Sorgen macht mehr das Wetter und der herannahende Regen als die Stimmung unter den Impfwilligen. „Jung und Alt, auch bereits Zwölfjährige, sind unter den Geimpften. Ob Einheimische oder Menschen mit Migrationshintergrund: Das Publikum ist bunt gemischt“, bestätigt Nimmervoll. Es werde zwar jede Impfung in den elektronischen, grünen Impfpass eingetragen, doch werde so gut wie immer auch die Eintragung in den „normalen“ Impfpass dazugenommen. „Die Leute wollen eine Impfbestätigung in Händen halten“, erklärt Nimmervoll.

"Positiv überrascht vom unglaublichen Andrang"

Lienz: Der Lienzer Impfkoordinator und Vizebürgermeister Siegfried Schatz zeigte sich am Sonntagvormittag „positiv überrascht vom unglaublichen Andrang“. Auch hier bildete sich schon eine Stunde vor Beginn der Aktion eine lange Schlange. In den sechs Impfkojen in der Dolomitenhalle wurden deutlich mehr als 100 Impfungen pro Stunde verabreicht. Die Wartezeit bei der Anmeldung sei auch der Möglichkeit geschuldet, dass man aus den drei Herstellern BioNTech/Pfizer, AstraZeneca und Johnson & Johnson frei wählen kann, wie Schatz erklärt. Der Impfstoff von BioNTech war übrigens in allen Impfzentren am gefragtesten. Tirolweit entschieden sich fast 70 Prozent dafür. AstraZeneca wählten nur 2,5 Prozent.

Telfs: Am Nachmittag entspannte sich in Telfs – wie in den meisten anderen Impfzentren – die Lage etwas. Unter den Impfwilligen in Telfs fanden sich viele bisher Unentschlossene, die spontan das Angebot mit geringem bürokratischen Aufwand nutzten. Auch viele Jugendliche – geimpft wird ab 12 Jahren – nutzten die Möglichkeit.

In Telfs und Innsbruck haben die Verantwortlichen angekündigt, für die Neuauflage der Impfaktion die organisatorischen Abläufe zu überdenken. (TT)

Infos zum Impfsonntag in Tirol

Insgesamt wurden am Sonntag 13.000 Personen in Tirol ohne Anmeldung geimpft. Einzelne Impfzentren haben ihre Öffnungszeiten verlängert und impften bis zum späten Abend die Wartenden.

Mit Stand 17 Uhr erhielten 68,3 Prozent den Impfstoff von BioNTech/Pfizer, 29,2 Prozent Johnson & Johnson und 2,5 Prozent AstraZenca. Bereits vor dem offiziellen Ende um 18 Uhr hat das Impfzentrum Kundl seine Türen unter Berücksichtigung seiner Kapazitäten und der dort wartenden Personen geschlossen.

Auf Basis der Rückmeldungen aus den Tiroler Impfzentren verlief die Organisation vor Ort ohne größere Zwischenfälle. Mitglieder der Feuerwehren unterstützten bei Ordnertätigkeiten, Mitglieder des Rettungsdienstes standen den vor den Impfzentren auf ihre Impfung wartenden Menschen bei auftretenden gesundheitlichen Problemen zur Verfügung. Weitere Informationen zur Wiederholung der Aktion am kommenden Wochenende soll es in den nächsten Tagen geben.


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