Spar will Lager in Wörgl erweitern: Pläne für neue Halle regen auf

Die Firma Spar will das Wörgler Lager in Wohngebiet und roter Zone erweitern. Der Gemeinderat schraubt dafür an den Flächenplänen. Anrainer sind empört.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Spar erhielt das fast 5000-m²-Areal im Wohngebiet durch einen Grundtausch mit der Alpenländischen Gemeinnützigen Wohnbau GmbH.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Einst hätte es eine Reihenhausanlage werden sollen, nun könnte am Wörgler Madersbacherweg bald eine 17,6 Meter hohe Fleischverarbeitungshalle in die Höhe ragen – und das in einem laut Hochwasserschutz-Gefahrenzonenplan als rote Zone ausgewiesenen Gebiet. Der Gemeinderat ebnete den Weg für das Vorhaben der Firma Spar, in dem er vergangene Woche (mit zwei grünen Gegenstimmen) eine entsprechende Änderung von Raumordnungskonzept und Flächenwidmung durchwinkte. Anrainer sind erzürnt und wollen auf die Barrikaden gehen. „Wir haben hier gebaut, weil es ein ausgewiesenes Wohngebiet war. Dann kam eh schon der erste Ausbau mit dem Tann-Fleischwerk, nun setzt man uns eine fast 18 Meter hohe Halle direkt vor die Nase – das kann es nicht sein“, schnaubt ein Anrainer.

Die Nachfrage nach regionalen Produkten sei gestiegen, eine Erweiterung des bestehenden Werks („typische Tiroler Produkte, wie Frischfleisch vom Tiroler Almrind oder Landjäger“) sei notwendig, erklärt eine Unternehmenssprecherin. 140 Mitarbeiter sind im bestehenden Tann-Werk beschäftigt, verweist sie auf das öffentliche Interesse.

Dieses thematisierte auch Raumordnungsreferent GR Andreas Schmidt (Liste Wechner) in der öffentlichen Gemeinderatssitzung, ein Nutzungskonflikt mitten im Siedlungsraum sei aber vorhanden. Trotzdem habe der Technikausschuss die Änderungen der Flächenpläne im Vorfeld einstimmig begrüßt.

GR Christian Huter (FWL) bemängelte, dass andere Grundeigentümer in der roten Zone nicht bauen dürfen, Spar aber schon. BM Wechner (Liste Wechner) verwies auf die Vorschreibungen durch das Wasserbauamt der Bezirkshauptmannschaft: „Ein Wohnbau ist ausgeschlossen“, die Halle werde zum Hochwasserschutz „aufgeständert“.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Wertminderung der Grundstücke, weniger Sonnenlicht in den Gärten, Beeinträchtigungen durch Lärm, Geruch und Verkehr – die Anrainer hatten ihre Sorgen im Vorfeld den Mandataren kundgetan. Entsprechend schreibt die Gemeinde vor, dass es zu „keinen relevanten Beeinträchtigungen“ oder „Verschlechterungen“ kommen darf. Skepsis in den Häusern am Madersbacher- und Unteren Auweg: „Wenn es hart auf hart kommt – was willst du als kleiner Bürger gegen ein Unternehmen wie Spar ausrichten?“

Zwischen Spar und Anrainern habe es Einzelgespräche gegeben. BM Wechner sprach von „größtenteils Einvernehmen“. Einige Anrainer dementieren dies. Die Beschlüsse des Gemeinderats werde man gemäß den rechtlichen Möglichkeiten beeinspruchen. „Spar ist sicher wichtig für Wörgl, das ist uns bewusst. Aber man darf nicht auf uns Bürger vergessen“, hofft eine Hausbesitzerin auf einen Kompromiss. Spar betont, man möchte die Erweiterung „in bestmöglichem Einvernehmen mit den Nachbarn durchführen“. Mehr wolle man in „einer so frühen Phase“ nicht zum Projekt sagen.


Kommentieren


Schlagworte