Zwist um Syrienhilfe: EU warnt vor Katastrophe für Millionen Menschen

Ein weiteres Offenhalten des Grenzübergangs Bab al-Hawa für Hilfslieferungen in das Kriegsland droht im UN-Sicherheitsrat an einem Veto Russlands zu scheitern.

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Bab al-Hawa ist ein Grenzübergang im Nordwesten Syriens, über den täglich große Mengen Hilfslieferungen von der Türkei in das Kriegsland gelangen. 2014 wurde die UN-Mission ins Leben gerufen, am 10. Juli soll sie auslaufen. Eine Verlängerung droht nun zu scheitern.
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Istanbul – Kurz vor einem möglichen Aus der UN-Hilfe für Millionen Syrer hat der EU-Kommissar für Krisenmanagement vor einer Katastrophe für die Menschen gewarnt. Hintergrund ist ein Streit im UN-Sicherheitsrat über die Offenhaltung eines Grenzübergangs für Hilfslieferungen und den Einfluss der syrischen Führung auf deren Verteilung.

„Eine Nicht-Erneuerung dieser Lebensader über Bab al-Hawa würde enorm dramatische Konsequenzen haben für Millionen von Menschen“, sagte Janez Lenarcic am Donnerstag im türkischen und nahe der syrischen Grenze gelegenen Ort Reyhanli. „Dieser Übergang muss erhalten bleiben.“

Bab al-Hawa ist ein Grenzübergang im Nordwesten Syriens, über den täglich große Mengen Hilfslieferungen von der Türkei in das Kriegsland gelangen. 2014 wurde die UN-Mission ins Leben gerufen, am 10. Juli soll sie auslaufen.

Veto Russlands droht

Eine Verlängerung im Sicherheitsrat droht am Veto Russlands zu scheitern. Drei weitere Grenzübergänge wurden bereits auf Betreiben der russischen Führung geschlossen. Moskau argumentiert, die Lieferungen könnten auch über die syrische Hauptstadt Damaskus in Rebellengebiete gelangen. Viele Experten lehnen diesen Vorschlag ab. Die Kontrolle über einen bedeutenden Teil der Hilfe würde die Position von Präsident Bashar al-Assad gegenüber politischen Gegnern deutlich stärken.

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Rund vier Millionen Syrer leben nach UN-Schätzungen im Nordwesten Syriens. Die meisten sind Vertriebene, die in Lagern, halb fertigen Häusern und ähnlichen ärmlichen Unterkünften leben. Sie sind fast alle angewiesen auf humanitäre Hilfe, nicht zuletzt der Vereinten Nationen. Allein 1,3 Millionen Menschen erhalten Lebensmittel vom Welternährungsprogramm (WFP). (APA/dpa)

Welternährungsprogramm warnt vor Hunger wegen gestiegener Preise

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnt wegen gestiegener Nahrungsmittelpreise vor einem Mangel an Essen für Millionen von Menschen. "Wir haben bereits Konflikte, Klima und Covid-19, die zusammenarbeiten, um mehr Menschen in Hunger und Elend zu treiben. Jetzt haben sich die Nahrungsmittelpreise dem tödlichen Trio angeschlossen", sagte der Chefökonom der Organisation, Arif Husain, am Donnerstag in Rom.

Das WFP sieht in den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, durch die viele Menschen ihre Jobs und damit ihr Einkommen verloren, eine Gefahr. Außerdem wirkten sich Klimaphänomene wie La Niña und Konflikte zusätzlich zu den gestiegenen Preisen auf die Menschen und ihren Zugang zu Nahrungsmitteln aus.

Mit Blick auf die Regionen registrierten die WFP-Experten im Nahen Osten den größten Preisanstieg für Lebensmittel. In Syrien ist dem WFP-Marktmonitor zufolge der Durchschnittspreis für Speiseöl in den Monaten von März bis Mai um 58 Prozent im Vergleich zu den drei vorangegangenen Monaten gestiegen. Im Libanon, wo eine schwere Wirtschaftskrise herrscht, stieg der durchschnittliche Preis für Weizenmehl für denselben Vergleichszeitraum um 50 Prozent. Auch in Afrika etwa in Simbabwe oder Mosambik und in Südamerika etwa in Venezuela stiegen die Preise für Nahrung.

Das WFP geht von 270 Millionen Menschen aus, die in 2021 akut an Hunger leiden oder davon stark gefährdet sein werden. Das entspräche einem Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die Friedensnobelpreisträger ist der Hilfseinsatz in diesem Jahr nach eigenen Angaben der größte in der Geschichte der Organisation, mit dem die Helfer 139 Millionen Menschen weltweit erreichen wollen.


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