Delta in Tirol nun dominant, Regierung berät heute Öffnungsschritte ab 22. Juli

Die Corona-Taskforce der Bundesregierung berät heute Öffnungsschritte ab 22. Juli und bereitet sich für den Herbst vor. In Tirol ist nun ebenfalls die deutlich ansteckendere Delta-Variante der vorherrschende Coronavirus-Typ.

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Gestern Abend hat sich vor dem Veranstaltungszentrum in Schwaz rasch eine Warteschlange für die Impfung ohne Anmeldung gebildet.
© Fankhauser

Innsbruck, Wien – Die deutlich ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus ist auch in Tirol dominant geworden. Von den 46 derzeit positiven Fällen ist die Hälfte der Delta-Mutante zuzuordnen. Es finden so genannte Nachzieheffekte statt: im Vergleich zu anderen Bundesländern und europäischen Ländern. Doch die Hospitalisierungen von Corona-Patienten bleiben sehr niedrig, derzeit müssen drei Erkrankte intensivmedizinisch betreut werden.

Mitverantwortlich dafür sind Reiserückkehrer – aber nicht nur. So war im Verlauf der vergangenen Woche seit längerer Zeit erstmals wieder eine steigende Anzahl der SARS-CoV-2 ausscheidenden Personen in Tirol zu beobachten. Wenn auch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, wie das Land am Donnerstag mitgeteilt hat.

Ein Cluster hat sich indessen in einem Sommercamp von 45 Mitgliedern im Außerferner Stanzach gebildet. Die internationale Gruppe ist seit 1. Juli in Tirol, 22 Jugendliche haben sich angesteckt. Ihr Aufenthalt erfolgte relativ isoliert als Selbstversorger. Die Betroffenen wurden abgesondert, ihre Rückreise in ihre Heimat wird derzeit organisiert. Die Infektionsquelle ist noch unbekannt.

Sieben von 17 Fällen nach Auslandsreisen

Von den gestern 17 Neuinfektionen in Tirol stehen erneut sieben im Zusammenhang mit Reisen ins Ausland – vor allem nach Spanien. Bei weiteren Fällen laufen derzeit noch die Erhebungen. „Während wir zu Beginn der Woche einen Cluster mit drei Personen nach einer Reiserückkehr verzeichneten, ist dieser beispielsweise bereits auf sechs Personen gewachsen, da nun weitere positive Testungen der ReiserückkehrerInnen-Gruppe vorliegen“, betont Elmar Rizzoli, der Leiter des Corona-Einsatzstabes im Land. Aktuell seien es vor allem junge Menschen, die nach einer Reise derzeit mit dem Coronavirus infiziert sind.

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Das Land Tirol appelliert deshalb weiter an Reiserückkehrer, das Gratis-PCR-Testangebot an den Teststraßen anzunehmen und sich unkompliziert über www.tiroltestet.at für einen PCR-Test anmelden.

Andererseits stehen die Impfungen im Vordergrund. Gestern Abend ist die zweite Runde der Impfungen ohne Anmeldung gestartet, die heute, Samstag und am Sonntag fortgesetzt wird. Auch der Impfbus wird Samstag beim DEZ in Innsbruck und am Sonntag in Kitzbühel Impfungen ohne Anmeldung anbieten.

„Um sicher durch den Sommer zu kommen und vor allem als Vorbereitung für den Herbst und Winter ist es jetzt wichtig, dass sich viele Menschen vor dem Virus schützen“, appelliert Rizzoli.

Eine Teilnahme an der Impfkampagne empfehlen die Tiroler Religionsgemeinschaften. Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Israelitische Kultusgemeinde, Alevitische sowie Buddhistische und Islamische Glaubensgemeinschaft, Neuapostolischen Kirche, Kirche der Heiligen der letzten Tage und die Freikirchen Tirol haben dazu eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

Für das Covid-Prognosekonsortium der Bundesregierung hat die Durchimpfungsrate höchste Priorität. Das geht aus einer Risikobewertung der Delta-Variante hervor, die das Konsortium im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellt hat. Trotz der aktuell niedrigen Inzidenz sei „eine rasche Zunahme der Delta-Variante mit Austausch der gegenwärtig dominierenden Alpha-Variante (...) in Österreich anzunehmen“, heißt es. Aber: Ein „systemkritischer Belag in den Krankenanstalten im Sommer“ wird als unwahrscheinlich bezeichnet. Die Erhöhung der Durchimpfungsrate und der Impfbereitschaft in allen Bevölkerungsgruppen ist für das Gremium ebenfalls essenziell.

Darauf dürfte heute die Taskforce der Regierung eingehen. LH Günther Platter wird daran teilnehmen. Es geht einmal mehr um das Impftempo, um die Auffrischungen im Herbst und um vorbereitende Maßnahmen für das letzte Jahresdrittel. Die Regierung will auch die nächsten Öffnungsschritte ab 22. Juli präsentieren – im Schatten der Delta-Variante. In der Gastronomie soll es keine Registrierungspflicht mehr geben, auch Kapazitätsbeschränkungen sollen fallen. (pn)


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