Festspiele Erl: Das letzte Wort zu Corona ist noch nicht gesprochen

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Die Musik ist zurück im Erler Festspielhaus. Orchester und Solisten in feiner Wechselwirkung bei Brahms’ Doppel­konzert in a-Moll für Violine (Solist Tobias Feldmann, vorne links) und Cello (Istvan Vardai).
© Kitzbichler

Erl – Heftige Gewitter entladen sich Donnerstagabend über Tirol. Und auch Präsident Hans Peter Haselsteiner will offenbar bei der Eröffnung der Sommerfestspiele in Erl Aufgestautes loswerden. Vor versammeltem Publikum, dem gewohnten Mix aus Gästen von dies- und jenseits der nahen bayerischen Grenze, macht Haselsteiner Tirols Corona-Krisenbewältigung im März 2020 zum Thema, Stichwort Ischgl et al. Tirol sei „geschimpft, geprügelt und verhöhnt“ worden, habe sich jedoch standhaft gewehrt.

Namentlich spricht Haselsteiner den in Reihe 1 sitzenden LH Günther Platter an, der Mut bewiesen habe, als er die Wintersaison auf deren Höhepunkt für beendet erklärte. Haselsteiner konzediert eine Mitschuld Tirols, hält allerdings auch fest, dass „menschliches Versagen uns allen angeboren ist“.

Platter nimmt die freundlichen Worte seines Vorredners auf und blickt seinerseits auf eine schwierige Zeit, „auch für uns Politiker“, zurück. „In Gottes Namen, wir haben nicht alles richtig gemacht, aber wir haben gelernt“, resümiert der Regierungschef.

Er nimmt damit, ob gewollt oder nicht, Bezug auf Ex-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Der war bekanntlich gegenteiliger Ansicht („alles richtig gemacht“).

Dann ertönt nach langer Corona-Pause wieder Musik im Festspielhaus. Brahms’ gedankenschwere „Tragische Ouvertüre“ widmet Haselsteiner den Opfern der Pandemie. Das Doppelkonzert in a-Moll für Geige und Cello, wieder von Brahms, präsentiert sich leichter, verspielter, so, als ob Spaß wieder zulässig wäre.

Zum Finale ist die Bühne dann randvoll: Orchester, Solisten, 50-Personen-Chor. Bei Alexander Skrjabins 1. Sinfonie wird „Es lebe die Kunst auf ewig“ als Motto ausgerufen. Sehr pathetisch, aber schon sehr schön. (mark)


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