„Wer agiert hier parteischädigend?“: Rendi-Wagner kritisiert Doskozil

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner attestiert Doskozil „destruktive Art“ und Kickl-Imitation. Die burgenländischen Roten kontern verbal scharf.

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Rendi-Wagner über Doskozil: „Er verkennt, dass ich nicht Norbert Hofer bin – und dieser destruktiven Art keinen Millimeter weichen werde.“
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Von Karin Leitner

Wien – Das Zerwürfnis von SPÖ-Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner und dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wird stetig heftiger. Gemünzt auf das Resultat für die Vorsitzende beim Parteitag vor zwei Wochen – sie hat es auf nur 75,3 Prozent Zuspruch gebracht – befand Doskozil dieser Tage: Die SPÖ sei mit der ÖVP unter Parteichef Reinhold Mitterlehner vergleichbar. Die Sozialdemokratie sei „auf ein Ziel zu fokussieren, wieder zu einen. Das ist nicht leicht. Das hat die ÖVP unter Mitterlehner auch nicht geschafft. In der Phase befinden wir uns.“ Gefragt, wer Spitzenkandidat der Roten bei der nächsten Nationalratswahl sein soll, antwortete er: „Dazu werde ich nichts sagen. Wenn ich etwas sage, heißt es, ich bin Querulant. Wenn ich nichts sage, heißt es, ich bringe mich nicht ein.“

Konter Rendi-Wagners: Der Vergleich „hinke“; die SPÖ stehe für ein anderes Menschenbild als die Türkisen. Offenbar wolle Doskozil FPÖ-Chef Herbert Kickl imitieren, der gegen seinen Vorgänger Norbert Hofer „gemobbt“ habe. „Er verkennt aber, dass ich nicht Norbert Hofer bin – und dieser destruktiven Art keinen Millimeter weichen werde.“ Sie habe Doskozil „als Hoffnungsträger in unserer Partei gesehen“. Jetzt schade er den Zielen „dieser stolzen Bewegung“.

Doskozils Replik: „Es gäbe für eine intakte Sozialdemokratie genug Themen, um die man sich kümmern müsste, von den wirtschaftspolitischen Folgen der Corona-Krise bis zur Arbeitslosigkeit.“ Wenn es der Parteivorfrau wichtiger sei, „sich weiter mit der Suche nach Schuldigen für ihr Abstimmungsergebnis zu beschäftigen, ist ihr das unbenommen“. Die Menschen erwarteten sich von der SPÖ anderes „als den Austausch persönlicher Befindlichkeiten“. Der burgenländische SPÖ-Geschaftsführer Roland Fürst fügt im Gespräch mit der Tiroler Tagezeitung an: „Rendi-Wagner muss sich die Frage stellen, wer hier parteischädigend agiert. Jemand, der für das historisch schlechteste Ergebnis der SPÖ verantwortlich ist, bei der Mitgliederbefragung eigentlich ein Misstrauensvotum bekommen und beim Parteitag auch nicht gut abgeschnitten hat – oder ein Landeshauptmann, der mit sozialdemokratischen Themen eine absolute Mehrheit erzielt hat.“ Und: „Wenn Rendi-Wagner und ihr Umfeld so viel Energie in die Bekämpfung der Regierung mit Inhalten stecken würde wie in die Bewältigung des Parteitags, würde das den Funktionären gefallen. Bei allen anderen Parteien wäre der Parteitag schon ,gegessen‘.“

Zur Anmerkung, dass Redi-Wagner soeben ein Konzept für eine Vier-Tage-Arbeitswoche präsentiert hat, sagt Fürst: „Das muss mit mehr Nachdruck geschehen, wobei wir den Mindestlohn von 1700 Euro netto priorisieren. Und das geht unter, wenn man mit einem Parteitagsresultat nicht umgehen kann – und die eigenen Leute angreift.“ Hat nicht Doskozil mit seinem Mitterlehner-Verweis die Debatte befeuert? „Rendi-Wagner müsste die Größe haben, darüber zu stehen. Sie muss mit Kritik umgehen können.“ Doskozil habe „lediglich eine Situation beschrieben. Die SPÖ müsste bei dem Kollabieren der Türkisen bei 35 Prozent liegen.“

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Tenor anderer Roter: Die SPÖ beschäftige sich leider neuerlich mit sich selbst.


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