Diskussion um Wolf in Tirol: Bauernbund ringt um Geschlossenheit

Für Bauernkammerchef Hechenberger ist „Problemwolf“ in Westendorf zu entnehmen, für Franz Hörl sind Grüne in dieser Frage „derzeit eher Gegner“.

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Um die Tiere vor dem Wolf zu schützen, wurden auch in St. Leonhard im Pitztal die Schafe von der Schwarzen-bergalm geholt.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – In sechs Wochen tritt das Donnerstag im Landtag beschlossene neue Jagd- und Almschutzgesetz in Kraft. Sollte die darin verankerte Fachkommission die Entnahme eines Problemwolfs empfehlen, müsste die Landesregierung das verordnen. „Das wird die Nagelprobe sein, schließlich benötigt es die Zustimmung der Grünen dafür“, tönte es Freitag aus dem ÖVP-Bauernbund. Die Spitzenfunktionäre tagten in Pfunds, nach den jüngsten Turbulenzen ringt einer der mächtigsten ÖVP-Bünde um Geschlossenheit.

Zuletzt geriet Bauernbundobmann und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (VP) massiv unter Druck. Jetzt sollen vor allem die Bauern über die neu geschaffenen Möglichkeiten informiert und aufgeklärt werden. Neben drei Herdenschutzprojekten sieht der Tiroler Maßnahmenplan auch die Entnahme von Problemwölfen vor. Dafür und für schnellere Verfahren machte sich gestern auch Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) stark, nachdem am Donnerstag ein mehr oder weniger allgemein formulierter Entschließungsantrag zu den großen Beutegreifern im Nationalrat von Türkis-Grün beschlossen wurde.

Wien und Brüssel müssten in die Pflicht genommen werden, nicht mehr länger Geisler, hieß es in der Bauernbundsitzung in Pfunds. Auch an die Adresse der Landwirtschaftskammer. Dessen Präsident und ÖVP-NR Josef Hechenberger sieht sich selbst allerdings nicht als Druckknopf, „ich unterstütze Geisler“, sagt er gegenüber der TT. Doch die Stimmung unter den Bauern sei aufgebracht, „wir müssen etwas tun“. Aus seiner Sicht müsste der herumziehende Wolf in Westendorf, der in den vergangenen Tagen Dutzende Schafe gerissen hat, als Problemwolf eingestuft werden. „Ich will der Kommission aber nicht vorgreifen.“

Das Klima zwischen ÖVP und Grünen ist in der Wolfsfrage ebenfalls mehr als angespannt. Der Tiroler ÖVP-Nationalrat nützte die Debatte über das Luftfahrthindernisregister im Parlament für eine Generalabrechnung mit dem Koalitionspartner auf Bundes- und Landesebene. Schließlich hätten heuer bereits 200 gerissene Schafe von den Almen transportiert werden müssen. „Die grüne Brille, eure grüne Brille färbt sich rot vom Blut der Schafe. Das muss abgestellt werden“, wirft Hörl den Grünen „falsch verstandenen Herdenschutz“ vor. Auf die Frage, ob die Ökopartei bei der Lösung des Wolfproblems eher Partner oder Gegner ist, antwortete Hörl gegenüber der TT: „Derzeit eher Gegner.“

Gar nicht erfreut reagierten Grüne und WWF auf die von Ministerin Köstinger geforderte rasche Entnahme von Problemtieren. „Niemandem ist geholfen, wenn die Stimmung beim Thema Wolf noch weiter aufgeheizt wird. Und leere Versprechungen helfen den Bäuerinnen und Bauern ebenso wenig. Daher ist eine rasche und gemeinsam akkordierte Vorgehensweise zum Schutz der Weidetiere und zur Einhaltung des EU-Rechts das Gebot der Stunde“, sagte Umweltsprecherin Astrid Rössler. Köstinger sei bei der Erstellung des gemeinsamen Entschließungsantrags eingebunden gewesen und müsse nun auch zu ihrem Wort stehen. Der WWF wies auf den strengen Schutzstatus hin. „Anstatt rechtswidrige Abschüsse zu fordern, muss der betroffenen Almwirtschaft durch eine Herdenschutz-Offensive geholfen werden.“

Indessen geht der Schafabtrieb von den Tiroler Almen weiter. Die Bauern in St. Leonhard im Pitztal haben ihre Schafe von der Schwarzenbergalm geholt.


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