Djokovic schreibt mit seinem sechsten Wimbledonsieg Geschichte

Wimbledonsieg Nummer sechs bedeutet Grand-Slam-Titel Nummer 20 für Novak Djokovic und die Einstellung der Rekordes von Roger Federer und Rafael Nadal. Der Serbe scheint auf dem Weg zu weiteren Tennis-Großtaten derzeit nicht zu stoppen.

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Kuss für die Wimbledon-Trophäe: Novak Djokovic war wieder eine Klasse für sich.
© ADRIAN DENNIS

London - Novak Djokovic hat am Sonntag bei den mit 35,02 Mio. Pfund dotierten All England Tennis-Championships in Wimbledon wieder ein Stück Sportgeschichte geschrieben. Der 34-jährige Serbe rang in seinem 30. Grand-Slam-Finale den 25-jährigen Italiener Matteo Berrettini in dessen erstem Major-Endspiel mit 6:7(4),6:4,6:4,6:3 nieder. Er hat seinen sechsten Wimbledon-Titel gewonnen und nun auch mit Rafael Nadal und Roger Federer gleichgezogen. Das Trio hält nun bei je 20 Major-Siegen.

Djokovic bleibt damit auch weiter auf Kurs "echter" Grand Slam, also dem Gewinn der Major-Turniere in Australien, Frankreich, England und den USA innerhalb desselben Kalenderjahres. Sollte er im September Titelverteidiger Dominic Thiem ablösen, dann wäre Djokovic erst der dritte Spieler überhaupt und der erste seit Rod Laver (1962, 1969), dem dies gelingt.

"Das war mehr als ein Kampf. Ich gratuliere Matteo und seinem Team, es war ein hartes Match. Es ist nicht das schönste Gefühl ein Finale zu verlieren, aber ich bin sicher, er wird noch mehrere Gelegenheiten haben", erklärte Djokovic nach dem Sieg. Wie üblich hatte er nach dem Sieg auch wieder ein Stück vom Rasen auf dem Centre Court verspeist, eines seiner vielen Rituale, die ihm nicht nur Sympathien einbringen.

Dennoch blieb Djokovic demütig in seiner Siegerrede. "Wimbledon zu gewinnen war immer mein Traum. Ich nehme das nicht als selbstverständlich hin. Ich habe mir als Siebenjähriger in Serbien ein Tenniszimmer mit allen möglichen Utensilien eingerichtet. Jetzt hier mit meiner sechsten Trophäe in Wimbledon zu stehen, ist unglaublich."

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Zur Rekordjagd und zur Jagd nach dem Kalender-Grand-Slam hatte Djokovic freilich auch einiges zu sagen: "Es heißt, dass keiner von uns Dreien aufhören wird", meinte er zu Titel Nummer 20. "Ich habe schon öfters gesagt: Roger und Rafa sind Legenden in unserem Sport. Sie sind die zwei wichtigsten Spieler, gegen die ich je in meiner Karriere gespielt habe. Sie sind der Grund, warum ich heute hier stehe." In den ersten Jahren habe er die meisten Matches gegen beide verloren. "Die vergangenen 10 Jahre waren eine unglaubliche Reise, die heute und hier noch nicht beendet ist."

Der Kalender-Grand-Slam sei natürlich in seinen Gedanken. "Ich werde es versuchen, bin in toller Form. Die Grand Slams sind die größte Priorität, die ich jetzt habe." Als er auch noch zum bevorstehenden EM-Finale befragt wurde, übte sich Djokovic in Diplomatie. "Sie bringen mich in eine peinliche Lage... Heute Abend werde ich Fußball genießen." Zu wem er hält, scheint aufgrund dieser Antwort klar.

Auch Berrettini war nach dem Erhalt seines "Final-Tellers" zufrieden. "Es war ein unglaubliches Gefühl, vielleicht zu viele Gefühle, um damit umzugehen. Novak war ganz klar besser als ich, er schreibt Geschichte in diesem Sport und deshalb verdient er jeden Glückwunsch. Ich bin glücklich über mein Finale, hoffentlich war es nicht mein letztes hier und allgemein bei einem Grand Slam", sagte der Italiener, der vor Wimbledon im Londoner Queen's Club triumpiert hatte.

Djokovic zementierte seinen Nummer-1-Status in der Weltrangliste damit weiter ein und kassierte zudem einen Siegerscheck in Höhe von 1,7 Mio. Pfund (1,98 Mio. Euro). Berrettini freute sich nach seinem bisher größten Match auch über immerhin 900.000 Pfund (1,05 Mio. Euro). Er verbessert sich im ATP-Ranking vorerst auf Platz acht.

Im ersten Satz begann es zunächst nach dem Geschmack von Djokovic: Nach einem Break zum 3:1 ging der Serbe mit 5:2 in Führung und hatte dann einen Satzball bei Aufschlag Berrettini, doch dieser nutzte in dem Marathongame schließlich seine achte Chance, auf 3:5 zu verkürzen. Dann gelang dem Italiener mit seiner zweiten Möglichkeit das Rebreak zum 4:5 und in der Folge erreichte er nach 61 Minuten noch das Tiebreak. In diesem ging er rasch mit 3:0 in Front, Djokovic glich aus, aber bei 6:4 fand Berrettini seinerseits Satzbälle vor. Nach 70 Minuten nutzte er den ersten.

Doch Djokovic wäre nicht er selbst, wenn er sich davon hätte zurückwerfen lassen. Der Serbe legte einen Gang zu und schaffte gleich zum 1:0 und dann zum 3:0 schnelle Breaks. Beim Stand von 5:2 musste der "Djoker" dann aber plötzlich sein Service zum 5:3 abgeben. Danach wehrte der Weltranglisten-Neunte drei Satzbälle ab und verkürzte auf 4:5, ehe Djokovic zu Null zum Satzgleichstand ausservierte. Nach 1:53 Stunden begann das Match praktisch von vorne.

Djokovic schaffte es wieder als Erster, seinem Gegner den Aufschlag (zum 2:1) abzunehmen. Bei 3:2 wehrte der 34-Jährige dann zwei Breakbälle des neun Jahre jüngeren Berrettini ab und stellte auf 4:2. Nach 2:40 Stunden stellte Djokovic mit dem 6:4 die Weichen zum Sieg.

Das Match blieb umkämpft und ausgeglichen, doch als Djokovic zum 4:3 nach einem Doppelfehler Berrettinis das Break gelang, ließ sich der nunmehr 85-fache Turniersieger die Partie nicht mehr entreißen. Nach 3:23 Stunden nutzte er seinen dritten Matchball und ließ sich im Triumph auf den Rücken fallen.

Die Partie wurde übrigens von der Kroatin Marija Cicak geleitet, sie war die erste Frau, die das Herren-Finale von Wimbledon schiedsrichtern durfte. Bei den Australian und bei den French Open hatte es schon 2007 erstmals eine Major-Finalschiedsrichterin gegeben, bei den US Open 2015. (APA/dpa)

Federer gratulierte Djokovic zum 20. Grand-Slam-Titel

Roger Federer hat Novak Djokovic nach dessen 20. Grand-Slam-Titel zur Einstellung dieses Rekordes gratuliert, den beide nun gemeinsam mit Rafael Nadal halten. "Glückwunsch Novak zu Deinem 20. Major. Ich bin stolz, die Gelegenheit zu haben, in einer besonderen Ära von Tennis-Champions zu spielen. Wunderbare Leistung, gut gemacht", schrieb der 39-jährige Schweizer am Sonntag auf Twitter.


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