„Italienische“ Wölfe für Risse in Tirol verantwortlich

100 tote und vermisste Schafe in Osttirol. Wölfe aus italienischer Population in Tirol, Maßnahmen gefordert.

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Symbolfoto.
© APA/dpa/Bernd Thissen

Innsbruck – Die Diskussion über die großen Beutegreifer und über eine mögliche Entnahme der Problemtiere beschäftigt die Tiroler Politik. Seit gestern liegen wieder aktuelle Zahlen zu Schafsrissen auf den Almen vor. Wie das Land mitteilt, geht man allein in Osttirol im Zusammenhang mit großen Beutegreifern von rund 100 toten und vermissten Schafen aus. Innerhalb einer Woche wurde bei den gerissenen Schafen sechsmal ein Wolf und zweimal ein Bär als Verursacher genetisch nachgewiesen.

Besonders betroffen ist Osttirol, wo in Matrei, in Assling und in Lavant in Summe sieben tote Schafe und eine verletzte Ziege gemeldet und teils begutachtet wurden. Zuvor waren in Prägraten, Hopfgarten, Assling und Außervillgraten Risse zu verzeichnen.

Erstmals genetisch bestätigt wurde auch ein Bär anhand einer am 6. Juli entnommenen Probe im Verwalltal im Gemeindegebiet von St. Anton. Insgesamt konnte sechsmal ein Wolf aus der italienischen Population als Verursacher dokumentiert und im Bezirk Landeck sowie im Pitztal jeweils ein Bär genetisch bestätigt werden. Die Wölfe sind zudem auf Wanderschaft in Österreich. Jene beiden, die im Mai im Schmirntal gewildert haben, sind im Juni in Salzburg aufgetaucht. Und zwar in Mittersill und in Uttendorf.

Doch damit nicht genug: Am 30. Juni 2021 wurde im Gemeindegebiet von Trins ein Luchs von einer Wildkamera fotografiert. Wie nun weiter vorgehen? Der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler schließt gegenüber der TT aus, dass es in der EU für die Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfes in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie eine Mehrheit geben werde. „Da werden viele Mitgliedsstaaten nicht mitspielen.“ Für Fischler geht es vielmehr um einen realistischen und machbaren Weg.

Das Problem, so der ehemalige ÖVP-Politiker, müsse dort gelöst werden, wo es seine Wurzeln hat. „Die Wölfe stammen vorwiegend aus den Abruzzen. Wenn es zu viele Wölfe in den Rudeln gibt, werden die Jungwölfe hinausgedrängt und begeben sich auf Wanderschaft.“ Und das betreffe jetzt den Alpenraum. „Es benötigt also eine Regulierung in den Abruzzen, um dort wieder ein Gleichgewicht herzustellen und ein Abwandern von einzelnen Wölfen nach Norden zu verhindern“, so Fischler. (pn)


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