Osttiroler Jugendliche bei X-Jam-Maturareise in Kroatien infiziert

Im Außerfern und in Osttirol streuen die Corona-Cluster nach Maturareisen nach Malta bzw. Kroatien breit. In Osttirol ist eine Gruppe von Maturanten, die beim X-Jam in Kroatien war, betroffen. Generell will das Land Tirol jetzt ein niederschwelliges Testangebot für Reiserückkehrer anbieten.

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Bei der Maturareise nach Kroatien haben sich Osttiroler Jugendliche angesteckt.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Ein differenzierter Blick auf das Infektionsgeschehen in Tirol beantwortet viele Fragen zu den steigenden Corona-Fällen. Das Gesamtbild ist wichtig: Erstmals seit September 2020 gibt es in den Tiroler Spitälern keine Corona-Patienten mehr auf den Intensivstationen, nur noch drei Erkrankte müssen stationär behandelt werden. Ob dieser Trend trotz der ansteckenderen Delta-Variante anhält, wird sich spätestens nächste Woche zeigen. Schließlich rechnet man bei der Hospitalisierung immer mit einer Verzögerung. Aber eines lässt sich schon jetzt sagen: „Noch musste kein Patient mit der Delta-Variante intensivmedizinisch versorgt werden“, betont der Leiter des Einsatzstabes, Elmar Rizzoli. 108 nachgewiesene Delta-Fälle wurden bisher gemeldet.

Ein weißer Fleck auf der Corona-Landkarte ist übrigens der Bezirk Schwaz, der seit 2. Juli keine Corona-Fälle mehr verzeichnet. Dort sind rund 60 Prozent der Bevölkerung bereits seit April vollständig durchgeimpft, dazu kommen noch 9000 Genesene. Der wegen der Südafrika-Mutante vorsorglich aufgezogene Impfriegel mit 100.000 Impfdosen von BioNTech/Pfizer wirkt offenbar .

Land feilt an „Tour-Konzept“

Um die Impfquote landesweit zu erhöhen, forciert Tirol weiter das niederschwellige Angebot mit Impfungen ohne Anmeldungen. Ab heute wird wieder in den Impfstraßen und im Impfbus geimpft – alle Informationen dazu finden Sie HIER. Das Land arbeitet zudem ein „Tour-Konzept“ aus.

Das niederschwellige Impfangebot wird beibehalten, für den Impfbus wird jetzt sogar ein „Tour-Konzept“ ausgearbeitet.
© Kristen

„Der Impfbus wird gezielt in Regionen zum Einsatz kommen, wo bislang noch weniger Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind. Damit stellen wir die Impfmöglichkeiten auf eine noch breitere Basis“, betont Gesundheits-LR Annette Leja (VP). 434.000 Erst- und rund 303.500 Zweitimpfungen wurden seit Jänner durchgeführt. 47,4 Prozent der über 12-Jährigen sind vollimmunisiert.

Trotzdem: Einzelne Cluster ließen zuletzt die Infektionszahlen steigen. Im Außerfern – 38 Fälle – streuen nach wie vor Rückkehrer von einer Maturareise aus Malta, in Osttirol ist ebenfalls eine Maturareise nach Kroatien für eine Vielzahl der aktuell 27 Infizierten verantwortlich. Dabei handelt es sich um die ins Gerede gekommene X-Jam-Veranstaltung. 28 Teilnehmer aus Österreich und 37 aus Deutschland haben sich angesteckt.

Angesteckt bei X-Jam

In Osttirol gibt es auch einen Corona-Cluster in einem größeren Betrieb, der auf Rückkehrer aus den Heimatländern zurückzuführen ist. Die Kontaktnachverfolgung ist zwar intensiv, sie funktioniere jedoch. Besonderes Augenmerk gilt den Reiserückkehrern. Bezogen auf den Zeitraum von 28. Juni und 4. Juli ließ sich österreichweit bei einer Gesamtzahl von 638 Fällen bei 68,6 Prozent die Infektionsquelle klären. Fast ein Viertel dieser Neuinfektionen (23,6 Prozent) ließ sich Reisetätigkeiten zuordnen, was eine signifikante Steigerung gegenüber den vorangegangenen Wochen darstellt. Rizzoli: „Derzeit machen gerade die Fälle mit Reisebezug einen wesentlichen Anteil am gesamten Infektionsgeschehen in Tirol aus.“

Deshalb sollen sich die Rückkehrer testen lassen, das Land will demnächst Corona-Tests am Flughafen oder am Bahnhof anbieten. Im Gespräch sind PCR-Gurgeltests. Diese Infrastruktur muss jedoch erst aufgebaut werden.

Weil sich immer mehr junge Menschen anstecken – 70 Prozent der Neuinfektionen betreffen die Altersgruppe der unter 35-Jährigen –, appellieren Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein „eindringlich“ an die jüngere Generation, sich impfen zu lassen.


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