Afghanische Provinzregierung vereinbarte Feuerpause mit Taliban

Der Vereinbarung zufolge sollen sich die Taliban in den Außenbereich der Stadt Kala-e-Naw zurückziehen. Ein Taliban-Sprecher dementierte, dass es eine Einigung auf eine Feuerpause gegeben habe.

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Die Provinz Badghis soll mit der Taliban eine Feuerpause ausgehandelt haben.
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Kabul – Die im Nordwesten Afghanistans gelegene Provinz Badghis hat sich nach offiziellen Angaben auf eine Feuerpause mit den radikal-islamischen Taliban verständigt. Mit der Einigung wolle man weitere Angriffe auf die Provinzhauptstadt Kala-e-Naw durch die islamistischen Aufständischen verhindern, obgleich afghanische Streitkräfte derzeit die Kontrolle zurückgewännen, sagte Provinzgouverneur Hussamuddin Shams am Donnerstag. Die Waffenruhe sei von Stammesältesten ausgehandelt worden.

Der Vereinbarung zufolge sollen sich die Taliban in den Außenbereich der Stadt zurückziehen. Ein Taliban-Sprecher dementierte, dass es eine Einigung auf eine Feuerpause gegeben habe. Dennoch hätten die Taliban die Stadt verlassen, um zivile Opfer zu vermeiden. Die in Doha geführten Friedensgespräche der afghanischen Regierung mit den Islamisten kamen hingegen kaum voran.

Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer NATO-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen konzentriert sich die Armee des Landes mittlerweile darauf, die größeren Städte, wichtige Straßen sowie Grenzposten gegen den Vormarsch der Islamisten abzusichern.

Vor rund einer Woche hatten die Aufständischen mit dem Sturm auf die Provinzhauptstadt von Badghis, Kala-e-Naw, begonnen - nur wenige Stunden nach der Erklärung der US-Armee, dass der Rückzug aus Afghanistan zu 90 Prozent vollzogen sei. Es war der erste größere Angriff auf eine Stadt seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen.

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Am Mittwoch hatten die Taliban die Einnahme von Spin Boldak, eines strategisch wichtigen Grenzübergangs nach Pakistan, verkündet. Daraufhin schloss die pakistanische Regierung den Übergang. Seitdem haben sich nach Angaben pakistanischer Grenzwachen rund 1.500 Menschen an dem Übergang versammelt, um nach Afghanistan zu gelangen.

400 von ihnen hätten am Donnerstag gewaltsam versucht, die Absperrung zu überwinden, berichteten die Wachen. Sie hätten die Menschen mit Tränengas und Schlagstöcken zurückgedrängt. Inzwischen sei die Lage wieder unter Kontrolle, sagte der Behördenvertreter des Grenzbezirks Chaman, Jumadad Khan.

Einem Taliban-Vertreter zufolge haben sich auch auf der afghanischen Seite Hunderte Menschen versammelt, um nach Pakistan zu gelangen. Seine Miliz sei in Gesprächen mit den pakistanischen Behörden und hoffe, dass der Übergang in "ein oder zwei Tagen" wieder geöffnet werde. Ein pakistanischer Grenzbeamter sagte später, die Grenze werde am Freitag für Fußgänger geöffnet.

Für die Taliban ist der Grenzübergang wichtig, weil er eine Verbindung zur pakistanischen Provinz Baluchistan ist, die den Aufständischen seit Jahrzehnten als Rückzugsgebiet dient. Eine Straße führt direkt nach Karachi und seinem Hafen. Er gilt als Drehscheibe für den milliardenschweren Heroinhandel in Afghanistan - einer wichtigen Einnahmequelle der Taliban.

Die festgefahrenen Friedensgespräche in Doha zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul laufen seit vergangenem September. Der Vormarsch der radikalislamischen Kämpfer erschwert sie zusätzlich. Die Sorge wächst, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der NATO-Streitkräfte aus Afghanistan wieder die Macht am Hindukusch übernehmen könnten.

Kabuls Unterhändler in Doha, Nader Naderi, sagte am Donnerstag, die Taliban hätten eine dreimonatige Waffenruhe angeboten, aber im Gegenzug die Freilassung von 7.000 ihrer Kämpfer gefordert. Später sagte Naderi allerdings, die Taliban hätte ein solches Angebot nicht formell unterbreitet.

Von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 hatten die Taliban Afghanistan beherrscht und die Menschenrechte, vor allem die Rechte der Frauen, massiv beschnitten. Die USA intervenierten in Afghanistan an der Spitze eines NATO-Bündnisses kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Taliban-Regierung in Kabul hatte sich geweigert, gegen die Al-Kaida von Osama bin Laden, dem Drahtzieher der Anschläge in den USA, vorzugehen und wurde rasch gestürzt. Allerdings zogen sich ihre Kämpfer unter anderem ins Nachbarland Pakistan zurück und formierten sich neu. (APA/Reuters/AFP)


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