Blümel gegen 10.000-Euro-Cash-Grenze in der EU

Im Kampf gegen Geldwäsche will die EU-Kommission Bargeldzahlungen ab 10.000 Euro einstellen.

  • Artikel
  • Diskussion
Die EU-Kommission will Bar-Zahlungen ab 10.000 Euro unmöglich machen. 60 Prozent der Bargeldzahler in Österreich sind dagegen.
© dpa

Wien – Das Thema Bargeld gilt als ein emotionales. Es flammte zuletzt wieder auf, als bekannt wurde, dass die EU-Kommission im Kampf gegen Geldwäsche Cashzahlungen über 10.000 Euro verbieten will. Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) stellt sich gegen das Ansinnen. Jedenfalls tragen 88 Prozent der Österreicher meist Bargeld bei sich, besagt eine neue Untersuchung von Unique Research für das Finanzministerium.

„Bargeld ist allüberall“, sagte Umfrage-Macher Peter Hajek. Eines sei eindeutig: „Wir sehen hier ganz klar, dass die Generation 60 plus die Bargeldgeneration ist.“ Bar- und Kartenzahlungen hielten sich aber insgesamt in etwa die Waage. „Eigentlich hat die Pandemie an der Einstellung und dem Verhalten zum Bargeld relativ wenig verändert.“

Bargeld-Zahlungsbegrenzungen sehen 47 Prozent skeptisch, 35 Prozent finden eine solche begrüßenswert, 19 Prozent der 1000 Befragten wollten keine Einschätzung abgeben. 50 Prozent (Männer: 52 Prozent; Frauen: 42 Prozent) wollen, dass Bargeldzahlungen unbeschränkt möglich bleiben, 30 Prozent sind dagegen. 65 Prozent sind stark dafür, dass die Möglichkeit von Bargeldzahlungen erhalten bleibt. Weitere 22 Prozent sind eher dafür. 80 Prozent sind sehr skeptisch gegenüber einer Cash-Begrenzung, weitere 12 Prozent eher.

Finanzminister Blümel bekräftigte gestern bei der Präsentation der Umfrage seine ablehnende Haltung gegenüber der 10.000-Euro-Begrenzung für Barzahlungen. Er sei zwar dafür, den Kampf gegen Geldwäsche zu verbessern, Cash dürfe aber nicht schleichend abgeschafft werden. „Die Begrenzung der Barzahlungen spielt dabei aber eine untergeordnete Rolle. Eine Bargeldobergrenze wird dazu nichts beitragen.“

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Der Plan einer eigenen Geldwäschebehörde in der EU sei jedoch zu begrüßen. Und: „Wir müssen im Bereich der Kryptowährungen mehr tun“, sagte Blümel. Der Politiker rechnet damit, dass die EU-Kommission ihre Pläne kommende Woche vorstellen wird. Ob er die Obergrenze von 10.000 Euro verhindern werde können, ließ er offen. Wenn es eine qualifizierte Mehrheit dafür gebe, sei das zu akzeptieren. Jedenfalls werde er weiter die kritische Haltung Österreichs in Brüssel bei diesem Thema zum Ausdruck bringen. Es gebe auch einige verbündete EU-Partnerländer, so Blümel, ohne diese zu nennen.

Hauptthema der befragten Kritiker von Bargeldbegrenzungen sind Sorgen vor einer Einschränkung der persönlichen Freiheit (16 Prozent) bzw. Sorgen vor der Kontrolle der persönlichen Finanzen (14 Prozent). Kriminelle würden neue Wege für ihre Geschäfte finden, wenn sie auf Cash verzichten müssten, so der Tenor. 44 Prozent der Skeptischen haben aber keine konkreten Gründe für ihre kritische Haltung.

Hajek führte das darauf zurück, dass das Thema derzeit nicht in breiten Bevölkerungsschichten vorkommt. 60 Prozent der Bargeldzahler sind Obergrenzen gegenüber kritisch, aber nur 4 Prozent der Kartenzahler. 87 Prozent wussten in der Befragung beispielsweise aber nicht, dass am Bau Zahlungen über 500 Euro seit 2016 ohnehin verboten sind. (ver)


Kommentieren


Schlagworte