Teure Baustoffe: „Ein wilder Rodeo-Ritt auf hohem Niveau“

Bauen ist im Schnitt um 12,4 Prozent teurer als vor einem Jahr. Bauprojekte werden bereits verschoben, berichtet Bau-Sprecher Rieder.

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Der Preisschub am Bau hat sich auch im Juni fortgesetzt, wie aktuelle Zahlen der Statistik Austria zeigen.
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Von Max Strozzi

Wien, Innsbruck – Die Situation in der Baubranche hat sich noch nicht wirklich entspannt, erzählt Tirols Bau-Innungsmeister Anton Rieder. Gemeint sind Material-Engpässe und Preisexplosionen bei bestimmten Baustoffen. Aktuellen Daten der Statistik Austria zufolge lagen die Baukosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau um 12,4 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Die Kosten stiegen auch im Tiefbau. Der Straßenbau verteuerte sich um 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Seit Monaten sind die Preise für gewisse Baustoffe explodiert, die TT berichtete mehrfach. Das habe sich bisher für Kunden kaum ausgewirkt, weil in der ersten Jahreshälfte noch die Aufträge aus dem Vorjahr abgearbeitet wurden, schildert Rieder. „Inzwischen haben Baufirmen ihre Preise aber angepasst. Das führt dazu, dass das eine oder andere Bauprojekt aufgrund der Preissituation verschoben wird“, so Rieder.

Für Tirols Baubranche sei das Pandemiejahr 2020 im Grunde einfacher gewesen als das heurige Jahr. „Im vergangenen Jahr ist die Baubanche nach zwei, drei Wochen Frühjahrs-Stillstand wieder wie am Schnürchen gelaufen, ohne Liefer- oder Personalprobleme“, schildert der Branchensprecher. Heuer dagegen kämpfe man mit Problemen bei Material-Lieferung, mit Preisschüben, mit Personal- und Facharbeiterthemen und nach wie vor mit Behördenproblemen. „Es ist ein wilder Rodeo-Ritt, wenngleich auf hohem Niveau“, sagt Rieder: „Wir haben zwar eine gute Auftragslage, müssen aber Woche für Woche die Kapazitäten anpassen. Wir haben viel zu tun, aber wir trauen uns nicht zu sagen, ob es am Ende des Tages auch zu einem besseren Ergebnis führt.“

Bei Holzpreisen gebe es laut dem Baumeister immerhin erste Zeichen der Entspannung, die Preise zeigen nach einem Höhenflug leicht nach unten: „Bei Stahl gehen die Preise hingegen weiter nach oben. Und bei Dämmstoffen ist es so, dass wir sie wieder geliefert bekommen. Man muss aber den Preis zahlen, der verlangt wird.“ Das Thema Baukosten werde noch das restliche Jahr über bleiben. „Hier kann ich noch keine Entwarnung geben.“

Es habe ihn schon überrascht, wie lange es nach dem Pandemiejahr 2020 dauert, bis die Lieferketten wieder in Gang kommen: „Ich muss gestehen, da habe ich die weltweite Vernetzung über- schätzt.“


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